Heute eine kleine Geschichte von Luke T. aka Dreadeye. Mit einem Zitat von Rudyard Kipling aus
A matter of fact soll die Geschichte beginnen:
»What are you going to do?«
»Tell it as a lie.«
»Fiction?« This with the full-blooded disgust of a journalist for the illegitimate branch of the profession.
»You can call it that if you like. I shall call it a lie.« And a lie it has become; for truth is a naked lady and if by accident she is drawn up from the bottom of the sea, it behoves a gentleman either to give her a print petticoat or to turn his face to the wall and vow that he did not see.
Es war einmal ein alter Handwerksmeister, der hatte einen Lehrling. Eines Tages fragte der Lehrling seinen Meister, wie man ein Meister werden könne. »Das kommt darauf an«, sprach der Meister. »Ich kenne nur meine Geschichte, wie ich ein Meister wurde. Aber ich kann dir davon erzählen.«
So begann der alte Meister:
»Als ich ein Lehrling war wie du, da lernte ich bei einem großen und berühmten Meister unseres Handwerks. In frühen Jahren schon war mein damaliger Meister dafür bekannt geworden, die schönsten Möbelstücke herzustellen. Aber mit der Zeit, die ich bei ihm verbrachte, ruhte er sich immer mehr auf seinen vergangenen Meisterstücken aus. Wie er älter wurde, hatte er keinen Sinn mehr für das Handwerk und häufig verzögerten sich so die Bestellungen der Leute. Manchmal fertigte ich sogar die Möbel an, die mein Meister dann als seine eigenen ausgab, um sie so an die Leute zu verkaufen. Nur waren meine Arbeiten keine Meisterstücke und schon bald wunderten sich die Leute darüber, warum ihre Erwartungen nicht mehr so erfüllt wurden wie früher.«
Kurz vor meiner eigenen Prüfung kam ein Mann aus dem Dorf zu meinem Meister und sagte:
»Ich habe einen Sohn, den ich bald in Lehre geben will und mir wurde berichtet, dass Ihr ein großer Meister Eures Handwerks seid. Nun liegt es mir daran zu erfahren, was mein Sohn bei Euch zu lernen vermag. Zu diesem Zweck bitte ich Euch, mir einen Tisch anzufertigen, auf dass ich sehe, wie es um Eure Kunst bestellt ist.«
»Das lässt sich machen«, antwortete mein Meister.
»Es wäre da aber noch eine kleine Bedingung«, sprach der Mann weiter. »Es läge mir daran, den Tisch durch Euren Schüler gefertigt zu wissen, der ja auch bald ein Meister werden soll. Lasst ihn zu seiner Meisterprüfung den Tisch für mich herstellen. So wird sich zeigen, ob Ihr sowohl ein Handwerksmeister wie auch ein Lehrmeister seid.« Darauf ging der Mann wieder. Am Abend jenes Tages fragte ich meinen Meister, wie ich die Prüfung bestehen sollte, da ich es nicht wusste. Und so antwortete er mir:
»Ein Meisterstück muss gut gearbeitet sein. Du darfst keine Spuren vom Werkzeug erkennen lassen, es muss grazil und beständig zugleich sein. Den meisterlichen Abschluss bilden reiche, kunstvolle Gravuren und Verziehrungen.«
»Ich kann einen beständigen Tisch ohne Spuren vom Werkzeug bauen«, sagte ich. »Aber ich kann nicht, was Ihr verlangt. «
Da erkannte mein Meister, was er versäumt hatte mir beizubringen, und dass sein Ruf als großer und berühmter Meister auf dem Spiel stand. Am nächsten Morgen kam mein Meister auf mich zu und sagte:
»Nimm den Tisch aus der Stube. Es ist eine Arbeit von mir aus meinen ersten Jahren als Meister. Schleife ihn vorher nur gründlich ab bis das Holz wieder glänzt und frisch aussieht. Dann kannst du dem Mann ein Meisterstück übergeben.« Und so geschah es dann auch. »An jenem Tisch hast du übrigens auch schon gesessen, mein junger Lehrling; es ist der Tisch deines Großvaters.«
»Dann seid Ihr also gar kein richtiger Meister?« fragte der Lehrling.
»Ich werde für einen Meister gehalten. Höre: Seit jenem Tag wurde meine Arbeit nie wieder begutachtet und bis heute baue ich die Möbel so, wie ich sie auch schon vor jenem Tag gebaut habe.«
»Warum habt Ihr nicht zur Wahrheit gestanden?«
»Die Wahrheit ist ein bloßes, unbehauenes Stück Holz, welches aus den tiefen Gründen der Wälder zufällig an das Ufer eines Flusses geschwemmt wurde, an dem Menschen leben. Und es gehört sich für einen Meister, es entweder zu nehmen und so zu schleifen, dass die Menschen es sich in die Stube stellen oder es für unbrauchbar zu befinden und wieder in den Fluss zu werfen.«
»Für mich möchte ich nichts weiter als das bloße, unbehauene Stück Holz«, erklärte der Lehrling.
»Dieses Holz kann dich vielleicht über Wasser, nicht jedoch am Leben halten.«
»Aber welch Art Antlitz meiner Selbst würde sich mir offenbaren, wenn ich mich in Eurer Weise des Holzes bemächtigte?«
»Es wäre nicht mehr und nicht weniger beschaffen als jenes, welches du zu erkennen gewillt, an das Ufer des Flusses herangetreten bist.«
Und die Moral von der Geschicht:
Untergehen wird das Holzstück nicht,
doch wie sieht man dessen Gesicht?















