Gestern kramte ich in meiner Interview Kiste umher. Da fand ich ein Tape eines Telefoninterviews mit Desmond Dekker. Hmm, soll ich oder soll ich nicht? Dekker, mehr als ein Urgestein jamaikanischer Musik. Eine Ska Legende, die uns am 26. Mai 2006 überraschend verlassen hat. Knapp ein Jahr später ist dies nun die Möglichkeit um seiner zu gedenken, noch einmal Abschied von Mr. »Israelites« Dekker zu nehmen. Auf unsere Art und Weise.
Geboren 1942 in Kingston war für den gebürtigen Desmond Acres schon in frühester Jugend klar, dass Musik sein Leben ist. In den frühen Sechzigern jedoch war das ganze Unterfangen nicht leicht. Verträge lagen nicht auf der Strasse herum. Wie kam es dennoch dazu, dass Desmond Dekker sich durchsetzte?
»Zu dieser Zeit war Leslie Kong der Hauptproduzent auf der Insel. Er hatte damals schon Jimmy Cliff und Derrick Morgan produziert. Doch er gab nicht vielen eine Chance und suchte nur unregelmässig nach neuen Talenten. Erst als ich bei ihm ins Studio ging und ihn mit Worten hartnäckig bearbeitete war er bereit mich vorsingen zu lassen. Begleitet vom Studiokeyboarder Theophilus Easy Snappin Beckford begann ich mein damaliges Lied »Honour your father and mother« (Anm: 1963 erschienen) vorzutragen.
Beckford war beeindruckt und liess mich das Lied noch einige Male singen. Danach sang ich noch »Madgie« und endlich bekam ich meine Zeit im Studio um Aufnahmen zu machen. Die Aufnahmen spielte ich damals mit der Unterstützung von Derrick Morgan, Jimmy Cliff und Eric »Monty« Morris ein. Kong packte »Honour your father and mother« auf die A-Seite der Single und prophezeite dem Song schon vor der Veröffentlichung einen Hitstatus. (lacht sich weg).« Doch bis zur Veröffentlichung seiner Singles ging er wieder zurück in seinen Job als Schweisser. »Dort traf ich den Hilfsarbeiter Bob Marley, zu der Zeit ein weiterer aufstrebender Musiker.. Diesen habe ich dann Leslie Kong vorgestellt und so kam die Zeit, in der unsere Singles zur gleichen Zeit erschienen.
Marley hatte das Potential, die Kraft all das zu tun, wonach andere ein Leben lang streben. Er war sich nie zu schade für irgendeine Arbeit, denn wie gesagt ich habe ihn als Hilfsarbeiter kennengelernt. Doch den Hauptgrund für seinen Erfolg sah ich schon damals in seinem gefestigten Glauben, in seinem Vertrauen in die Menschen. Ich spielte zu der Zeit schon mit den Aces, meiner Backingband, zusammen. Viele sprechen mich immer auf gewisse Titel und Auszeichnungen an, aber wichtiger als jede Auszeichnung war die Befriedigung in mir, die ich verspürte, wenn ich auf der Bühne stand und die ich jetzt immer noch verspüre, wenn ich auf eben dieser stehe und den Menschen positive Vibes vermitteln darf.«
Nochmal kurz einen Rückblick, bevor wir zur jetzigen Zeit kommmen. Prägende Lieder kommen aus der Hand von Desmond Dekker, entsprungen in seinem Geiste. »Manchmal spielt das Leben verrückt sage ich Dir.
Desmond Dekker – The Israelites
Als ich 1969 »Israelites« mit meiner Band, den Aces, herausbrachte, du weisst schon: I get up in the morning slaving for bread sir, so that every mouth can be fed, Poor me, Israelites. Mi wife an’ ma kids they pack up an’a leave me, »darling« she said »I was yours to recieve«, Poor me, Israelites. Cho! shirt dem a tear-up, trousers a go, I don’ wan’ to end up like Bonny and Clyde, Poor me, Israelites. After a storm there mus’ be a calming, you catch me in your farm, you sound your alarm, Poor me, Israelites. (singt den Song). Da dachte ich mir irgendwas läuft doch falsch hier. Klar ist das schön, wenn man Erfolg mit der Musik hat, dennoch war der Inhalt des Liedes ein Schrei gegen die Unterdrückung und die gewaltsamen Bedingungen, denen ich mich damals gegenübersah. In Amerika wurde »Israelites« als Neuheit gefeiert und doch kam es mir oft so vor, dass nicht jeder verstand, was der Inhalt des Liedes war.
Trotz allem war dies die erste Platte aus Jamaika, die Gold dafür erhielt. Die Welt war damals und ist heute noch zu verschieden in ihren Ansätzen. Da kommt jemad und singt von Unterdrückung, Sklaverei und Gewalt und bekommt Gold dafür. Ich bin dankbar für den Erfolg, aber vergesst bitte nicht die Inhalte der Musik.«
Nach Liedern wie »007 Shanty Town« (1967), »A it mek« (übersetzt: der Grund warum es passierte) und 20 weiteren Top 1-Platzierungen in den jamaikanischen Charts zog Desmond Dekker 1969 nach England.
»In dieser Zeit spielte ich in den unterschiedlichsten Clubs und sang weiterhin über die Riddims aus Jamaika. Mit »You can get it if you really want« (von Jimmy Cliff geschrieben) für den Film »The harder they come«, in dem Jimmy mitspielte, kam der nächste Erfolg. Als 1971 Leslie Kong verstarb, schloss ich mich dem »Cactus Label« an, die 1975 eine Art Remix von dem Lied »Israelites« herausbrachten. Doch es musste sich etwas verändern. Ich wollte nicht jetzt schon beginnen an einem Best of Album zu arbeiten, denn ich fühle mich noch lebendig (lacht).
Und dann kam 1980 in England das auf, womit keiner rechnete. Die Ska/Mod Ära begann und Ska und Rocksteady waren auf einmal wieder gefragt waren wie kaum zuvor. Ich nahm »Black and Dekker« auf, das jedoch floppte. Alle Versuche neue Lieder zu produzieren scheiterten und so begann die Phase, in der ich meine alten Hits auf der Bühne präsentierte und viel auf Compilations der unterschiedlichsten Art vertreten war. Das war keine leichte Zeit, denn auch wenn ich meine alten Lieder immer noch liebe, so ist mein Bestreben nach Neuem weiterhin unersättlich. Doch die ursprüngliche Ska und Rocksteady Musik hatte sich verändert. Da gab es viele Abspaltungen, z.B. Ska Punk, Reggae Punk und vieles mehr. Inzwischen sind aber wieder einige Bands unterwegs, die Cover Versionen von frühen Ska Stücken spielen und somit die »back to the roots« Bewegung eingeleitet haben.«
Anfang der Neunziger Jahre entwickelte sich in England erneut ein Two Tone Revival. Diesmal liess sich Desmond Dekker nicht lumpen. »Mit vier Mitgliedern aus der Originalbesetzung der Band The Specials nahm ich dann das Album »King of Kings« auf, das inzwischen einen legendären Status erreicht hat. Weiterhin trat ich mit den unteschiedlichsten Musikern zusammen auf Revival Parties und Veranstaltungen auf. Jeder kümmerte sich um den anderen und zog ihn mit, wenn er irgendwo einen Auftritt klarmachen konnte. Namen zu nennen wäre mühselig, denn in England schossen die Ska Bands wie Pilze aus dem Boden. Aber zum Beispiel mit den Specials verbindet mich einiges. Sie sind meiner Meinung nach der Inbegriff des Two Tone Revivals, sie haben die meisten Veranstaltungen auf die Beine gestellt, am meisten dafür geleistet. Neuafnahmen mache ich nur noch unregelmässig, vielmehr bin ich seit dieser Zeit in den unterschiedlichsten Ländern auf Tour.«
»Lebt in Einheit,« das waren seine letzten Worte am Telefon, bevor wird das Gespräch beendeten. Es wirkt doch etwas befremdend, wenn man ein Telefoninterview eines verstorbenen Artists wieder ausgräbt und es sich nochmals anhört. Ich wollte ihn so in Erinnerung behalten, wie ich ihn kennengelernt hatte. Doch meine Leidenschaft, diesen Moment mit euch zu teilen war grösser. Ein grosser Artist hat uns Grosses hinterlassen. Daher empfehle ich jedem sich die frühen Platten des Desmond Dekker in die Gehörgänge zu legen.















