Das Telefon klingelt. Ich gehe ran und es meldet sich der Gerhard. Floyd, sag mal, hast du noch ein paar Fotos von uns auf Lager? Was haben Bayern und Jamaika gemeinsam schiesst es mir durch den Kopf? Beide »Inseln« stellen viele Sprachbegabte anfangs vor sehr grosse Schwierigkeiten. Was den Jamaikanern ihr »Patois« ist den Bayern ihr »Bayrisch Stylee«. Heute stelle ich Euch meine Ziehväter des Reggae vor: Fred & Barney Renegade Sound aus München.
Wir schreiben das Jahr 1994. Das Africa Festival ist in vollem Gange. Zu dieser Zeit höre ich persönlich noch mehr Ska mit grossen Bands wie »The Skatalites«, etc. Doch am Abend treten Julian und Damian Marley in Würzburg beim Africa Festival auf. Ja, ich bin ehrlich, Bob Marley sagte mir damals was und zusammen mit sunOne von Leos Den beschlossen wir uns das Konzert anzuschauen. Nach dem Auftritt fand auf dem Boot, eine Art »schwimmende Dico«, die After Party statt.
Wir kommen an und hinter den Plattenspielern stehen die beiden schon. sunOne kennt Fred & Barney schon länger und so hat sich das Kennenlernen sehr einfach gestaltet. Einfach Party machen und abtanzen. Als ich mich dann das erste Mal mit »Fred« (Thomas) und »Barney« (Gerhard) unterhalten habe verstand ich ehrlich fast kein Wort. Beide in tiefstem bayrischen Dialekt, »Patois« hörte sich für mich zu dieser Zeit kaum anders an. Aber nach ein paar Minuten habe ich mich daran gewöhnt und verstand.
Doch die Geschichte beginnt Anfang der 90iger Jahre. Zu dieser Zeit begannen Thomas und Gerhard im legendären Sunsplash Club in München die Massive zum ersten Mal mit Reggae zu konfrontieren. Als erster Sound in München überhaupt. Wieso die beiden Fred & Barney heissen mag wohl am Grössenunterschied der beiden liegen. Angeblich hat Ihnen ein Jamaikaner deswegen den Namen verpasst.
Beide reisten regelmässig nach Jamaika. Aus diesem Grund kamen sie auch nicht umhin, ein authentisches Soundsystem im jamaikanischen Stil zu betreiben. In Hendon/Montego Bay legten beide in regelmässigen Abständen auf »Street Dances« auf. Für die dort ansässige »Renegade Crew«. Das war mit Sicherheit eine gute Schule, denn wo spürt man die Wahrheit mehr, als auf der Strasse selbst? So lernt man die Auswahl der richtigen Tunes, wann spielt man am besten welchen Tune, etc… Doch damit nicht genug. Ein Sound nach jamaikanischem Vorbild bedeutet eben auch eigenes Equipment am Start zu haben. Vor Ort lernten sie alles über den Boxenbau, das Reparieren von ausgebrannten Lautsprechern und vieles mehr.

Das eigene Soundsystem Fred & Barney hat »Barney« schon einige Jahre zuvor angefangen zu bauen. Dicke Boxen, dicker Bass und alles was dazugehört. Ab 1994 fingen Fred & Barney an mit vollgepacktem LKW auf Tour zu gehen. Wer mal einen Fred & Barney Abend im original Style erleben durfte, der weiss wie gut das ankam. Meist waren die beiden schon Stunden früher vor Ort, um Ihren Sound bestmöglich zu platzieren. Boxentürme aufbauen, Soundcheck durchführen, etc.
Viele von Euch werden »Fred & Barney Renegade Sound« vom Summerjam, Chiemsee und vielen anderen Festivals kennen, wo sie regelmässig die Zelte zum Kochen brachten. »Summerjam« ist ein gutes Stichwort. Ich meine es war 1996 oder 1997. Da traf ich in Köln Thomas und Gerhard wieder. Im weissen Zelt ging es Freitag abends richtig zur Sache. Fred & Barney an den Tellern und am Mikrofon stand erstmals ein MC, den ich bis dato nicht kannte. Am nächsten Tag sollte sich herausstellen, dass es Skarra Mucci war, der mit seiner prägnanten Stimme das Publikum am Abend zum Kochen brachte. Da er an diesem Tag schon wieder abreisen musste, sassen wir noch alle auf irgendeiner Wiese umher. Skarra Mucci schenkte mir seine Karte, mit der man hinter die Bühne durfte. Dieser Umstand erst ermöglichte mir meine ersten »hautnahen« Fotos von Reggae Artists. Danke »King Skarra«:-) Seitdem hat mich das Fieber gepackt und Reggae nicht mehr losgelassen.
Doch zurück zu Fred & Barney. Was ist seitdem passiert? Wer genauer Beobachter ist weiss, dass sie irgendwann am Summerjam nicht mehr spielten. Wir schreiben das Jahr 2001. »Fred & Barney Renegade Sound« verteilt seine Energien und folgendes passiert:
»Barney« packte den Sound in einen Container und ab ging es nach »Ocho Rios«. In den ersten Monaten erhielt Barney von Lincoln Sugar Minott den Auftrag, dessen Black Roots Recording Studio in Kingston 5 zu leiten. Seine Arbeit mit Artists wie Alton Ellis, Barry Brown, The Heptones und vielen anderen motivierte Barney sein eigenes Dubplatestudio zu eröffnen. Wo? Im Lion´s Den, das direkt bei den Dunn´s River Falls liegt. Dieses schöne aus Bambus und Korbgeflecht hergestellte Haus. Im Lion´s Den arbeitet »Barney« mit Artist wie Justin Hinds, Cornel Campbell oder auch Ninjaman. Viele weitere Artists stehen jeden Tag vor seiner Tür und warten auf Ihre Chance. Neben Dubplates für andere Soundsystems produziert »Barney« auch Tunes für Michael Rose und Little Hero.
»Fred« leitet »Renegade« in München weiter. Und nicht nur das. Er ist spielte nebenbei auch für Youthman Promotion (Sugar Minotts Sound) europaweit. Ich weiss, das liest sich jetzt bestimmt als würde ich die beiden bis zum Umfallen verehren. Das ist richtig, ich habe grossen Respekt vor beiden. Denn sowohl »Fred« als auch »Barney« haben eine solche Erfahrung in diesem Bereich, dass ich nur meinen Hut ziehen kann. Noch dazu sind sie für jeden Spass zu haben.
2004 verlegt »Barney« den »Renegade« Sound auf Jamaika nach »Golden Grove«. Dort baut er eine junge Crew rund um »DJ Eldon« auf, die seitdem regelmässig mit dem Sound in St. Ann auf Tour geht. Zeit für »Barney« wieder nach Deutschland zurückzukehren. Der Sound in Jamaika läuft auf jeden Fall rund um »DJ Eldon« weiter.
Kaum in Deutschland angekommen treffen sich die beiden, »Fred« und »Barney«, wieder. Die neueste News: »Fred« hat jetzt noch einen zusätzlichen Namen von seiner Zeit mit »Youthman Promotion« bekommen. »Looga«:-) So, bevor das aber alles zu kompliziert wird bleibe ich einfach bei »Fred« (Thomas) und »Barney« (Gerhard). Beide sind sich einig. Es ist an der Zeit sich für den Renegade Sound nach neuen, jungen Talenten umzusehen.
In »Deliciouz« fanden Fred & Barney den Mann, den sie suchten. »Deliciouz«, der bereits 2001 mit Puppa Starr (Righteous Movement Sound) und »Selector K« das reguläre Date »Riddim & Beats« durchführte. Veranstaltungen, die in dieser Form einmalig waren. Wieder eine verwurzelte Geschichte mehr, denn Puppa Star kümmerte sich um die Abwicklung des Dubplategeschäftes in Deutschland, als Barney sein eigenes Dubplatestudio auf Jamaika betrieb. Und noch besser: gleichzeitig entstand durch diese regular Dates die Bekanntschaft zu den ebenfalls in München ansässigen Roots Rockers. Dieses Kennenlernen veranlasste Deliciouz dazu auf immer mehr reinen »Reggae Veranstaltungen« am Start zu sein. War es vorher noch der Crossover aus Hip Hop und Reggae, so ebnete sich fortan der Weg auf reinem »Reggae Terrain«.
»Deliciouz« beginnt 2003 mit dem Aufbau seines eigenen Studios. Dieses hört heute auf den Namen »K73« und wer sich in München auskennt, der kennt dieses Studio. Schliesslich finden hier ein Grossteil aller Dubplate-Sessions mit den diversesten Artists statt. Viele Recording Sessions kommen zu den Dubplate-Sessions hinzu und so ist es kein Wunder, dass sich die Wege von »Fred« und »Deliciouz« zu dieser Zeit (2003) kreuzen mussten. Das war die »Kennenlern-Geschichte« und wie »Deliciouz« zu Fred & Barney kam.
2005 startet »Deliciouz« die Radiosendung »NightRide« im Münchner Radio, die er gemeinsam mit Don Ronaldo ein Jahr lang bespielt und moderiert. Im Sommer 2006 ist beim alten Sender Schluss. Seitdem gibt es die Sendung bei Radio Spieltrieb zu hören. (Jeden Montag von 20 – 22 Uhr live).
»Fred & Barney Renegade Sound« hat sich im Sommer 2006 noch mit »Cedric« verstärkt. »Deliciouz« und »Cedric« kennen sich bereits seit 1998, als sie beide gemeinsam hinter den Plattentellern standen. Das erleichtert die gemeinsame Arbeit erheblich. »Fred & Barney Renegade Sound« hat als Soundsystem eine unglaubliche Laufbahn hingelegt und wird diese auch weiterhin hinlegen. »Fred« und »Barney« geben Ihre langjährigen Erfahrungen an eine junge Crew weiter. Davon können »Deliciouz« und »Cedric« nur profitieren. »Father Fred (Looga)« und »Father Barney« (Anm: kommt Jungs, so alt seid ihr auch noch nicht:-)) sind ab und zu noch bei einigen Dances mit am Start. Sie sind die Väter und Gründer des Sounds. Ansonsten ziehen schon jetzt »Deliciouz« und »Cedric« die jungen Münchner »Renegade-Fäden«.
Somit ist, soweit ich mich erinnern kann, »Fred & Barney Renegade Sound« der erste deutsche Sound der in jamaikanischer Tradition bereits in zweiter Generation spielt.
Danke Gerhard, Danke Thomas!
Ich möchte euch noch einmal persönlich dafür danken, dass ihr mich zu Reggae gebracht habt. Ich hoffe wir können uns bald mal wieder auf einem schönen Dance sehen, in München oder vielleicht auch hier in Stuttgart? Unity is strength! Give thanks.















