Wer von Euch gerne meditiert oder sich gerne im Rhythmus der Reggae Musik davon tragen läßt, der kann irgendwie nicht umhin eine gediegene Trommelsession zu hören. Gerade die afrikanischen Ursprünge des Reggae führen immer wieder zurück zu den Nyabhingi Drummers. Auch in den heutigen Computerbeat Zeiten geht nichts über eine rohe live Bongo, Kete, Fundeh, Djembe etc. im Riddim. Hauptsächlich wenn er für einen Culture Tune gedacht ist.
Das Nyabhingi Drumming entstand aus dem Burru. Dieser war die Trommelart, die die Maroons in ihren Kulten und Riten benutzten. Es gab verschiedene afrikanisch geprägte Glaubensrichtungen, die in Jamaika während der Sklavenzeit im geheimen vollzogen werden mussten. Denn die Sklavenhalter sahen recht ungern, wenn heidnische Rituale mit lauter, ihnen unangenehmer Trommelmusik abgehalten wurden. Daher verboten sie es weitgehendst.
Doch wie es nunmal so ist, kann man einer Kultur nicht einfach ein wichtiges Ausdrucksmittel entziehen. Denn das Trommeln ist wie eine Unterhaltung. Das unentwegte Call and Response Spielchen hat die Aufgabe einer Zeitung, oder eines Radios. Es erzählt die Neuigkeiten. Es deckt Mißstände auf. Es erheitert. Es regt auf. Es kann in Ekstase und somit in andere Schwingungs-Sphären versetzen, in denen man den Geistern der Ahnen oder der Natur näher ist. Es gibt zu den einzelnen Geistern bestimmte Riddims, die diese beschwören. Die Kulte haben zwar verschiedene Namen, entstammen aber im Grunde dem selben Ursprung. Es gibt den Myal Kult, den Obeah Kult, den Pocomina, und verschiedene Unterarten, die nach und nach vom Christentum, vom Voodoo und anderen afrikanischen Religionen beeinflußt sind.
Es heißt, der Myalkult agiert mit »weißer Magie« und ist der Schutz gegen den vermeintlich »schwarzmagischen« Obeahkult. Bob Marley`s Großvater war ein Myalman und lehrte Bob einige Geheimnisse. Das tut hier jedoch nichts zur Sache, denn wir wollen ja wissen, wie das Nyabhingi Drumming entstand. Ein Kult, bei dem die Trommelmusik von der Struktur her schon an das Rastatrommeln erinnert, ist der Kumina. Zwei Trommeln, eine Tiefe »bandu« für den Grundrhythmus und eine hohe »cas« für die abstrakten Zwischenriddims, bildeten die Basis für die Sänger, die im Frage und Antwort Stil ihre Lyrics vortrugen. Im Laufe der Zeit bildete sich daraus das Burru Drumming, das schon zu Sklavenzeiten von den Haltern als Anspornmusik auf den Feldern angeordnet wurde. Später waren es mehr die Ex-Sträflinge, die ihre heimkommenden Genossen mit Burru Trommeln begrüßten. Zu allen Anlässen war das Trommeln gefragt, auch zum Denunzieren von Leuten, die sich irgendwelche Fehltritte innerhalb der Gemeinschaft erlaubt haben. Sie wurden mit beißenden Lyrics vorgeführt.
Nachdem sich nach Gründung der Rastafarians viele Anhänger im Knast wieder fanden, wegen illegalem Marihuanabesitz und anderen Lächerlichkeiten, waren auch sie schon in engem Kontakt mit der Burru Musik. Nach René Wynands Buch »Do the Reggay« (ISBN 3-492-18409, Piper Verlag) übernahmen die Rastas dann vom kriminellen Millieu die Burrumusik und spielten sie langsamer als Rastadrumming. Das mag wohl stimmen, aber wie gesagt wurde diese Art des Trommelns schon weitaus vorher in religiösem Zusammenhang gespielt und das Trommeln der Nyabhingi Rastas ist in diesem Zusammehang zu sehen.
Denn Nyabhingi Krieger, das waren die afrikanischen Guerilla-Kämpfer, die für Haile Selassie im Widerstand gegen die italienischen Kolonisationspläne Mussolinis eintraten, trommelten einen für ihre Feinde unheilverheißenden Rhythmus, der denen teilweise sogar ein Gefühl der Beklemmung gab und Angst einflößte.
Die jamaikanischen Rastafarians in ihren Anfängen lasen Zeitungsausschnitte über den Widerstand Äthiopiens gegen Italien und sahen ein Bild, auf dem Nyabhingi Krieger mit langen gedrehten Zöpfen fotografiert waren. Das inspirierte sie dazu sich die Haare zu Dreadlocks zu drehen (Dread-Threat = Bedrohung, Belästigung) und sich Nyabhingi Rastas zu nennen. Das Drumming wurde mit Basstrommel, Fundeh und Repeater zu einem essentiellen Bestandteil des Rastafari Glaubens. In langen Sessions wird Babylon symbolisch niedergetrommelt und gechantet.
Chanting ist das meditative, oft monoton wirkende Sprechsingen, welches unterstützend mit dem Trommeln und dem Rauchen des »Holy Herb« ekstatische Zustände bewirkt und den Rastas neue Erkenntnisse und Weisheit schenkt. Der Geist Rastafaris offenbart sich in jedem trommelden Rastafarikreis, der ein Reasoning abhält. Bei diesen sogenannten Reasonings wird manchmal tagelang durchgetrommelt, gesungen und getanzt. In verschiedenen Geschwindigkeiten, die sich je nach Intensität der Ekstase richten.
Nyabinghi Celebration Jamaica 1994
Wer sich einmal diesen Trommeln, die im Rhythmus des Herzschlags mit der Fundeh als Vorgabe gespielt werden, hingegeben hat, spürt die mystische und bewegende Kraft, die von ihm ausgeht. Word, Sound, Power. Der Rhythmus ist Leben, so wie der Herzschlag Leben bedeutet. Aber man kann immer viele Worte über eine Sache machen. Who feels it knows, sagte schon Bob Marley und das ist wohl richtig.
Also wenn Ihr Euch interessiert, besorgt Euch Count Ossie & The Mystic Revelation of Rastafari, einer der Hauptakteure im Nyabhingi Drumming, »Grounation« und »Tales of Mozambique«. Da findet ihr auch eine der frühesten Versionen von »Oh Carolina«.
Count Ossie 1966 bei der Ankunft Haile Selassies
Außerdem checkt Ras Michael & The Sons Of Negus, der auch so einige Scheiben am Start hat.
Ras Michael – Black Man Land
Wenn ihr geduldige Liebhaber der Musik seid, dann macht Euch die schlechte Aufnahmequalität einiger Tunes nichts aus. Besser ist natürlich, wenn man sich eine Trommel schnappt und selbst mal in Aktion tritt. Das befreit und schafft Ausgleich im täglichen Leben. Wie schon gesagt: Wer es selbst fühlt, weiß!















