Weiter geht es mit dem zweiten Teil über die Phänomene jamaikanischer Musikkultur. Heute dreht sich alles um die populärsten Musikformen Jamaikas…
Die populären Musikformen
Nachdem etwa Mitte der Fünfziger die Sound Systems begannen die amerikanischen Rhythm and Blues Platten aufzulegen, löste schon einige Jahre später in den USA der zu der Zeit aufblühende Rock`n`Roll der »Weissen« den Rhythm and Blues ab. Diesem Trend wollten die Jamaikaner jedoch nicht folgen.
Auf Grund des mit dem Trendwechsel verbundenen Einbruchs der Produktion neuer Rhythm and Blues Singles, entschieden sich viele Besitzer der Soundsystems, um konkurrenzfähig zu bleiben, selbst Platten zu produzieren. Somit entwickelte man rasch einen eigenen Stil, den basslastigeren Ska. Der Ska zeichnete sich außerdem durch den, von Gitarre, Klavier und Bläsern getragenen, schnelleren Rhythmus und der Akzentuierung der unbetonten Taktschläge aus.
Aus dem Ska entwickelte sich etwa Mitte der Sechziger Jahre der Rocksteady, der zu Beginn ebenfalls von den Sound Systems gespielt wurde. Der Rocksteady war im Vergleich zum Ska noch bass- und rhythmuslastiger, wobei er gleichzeitig im Tempo zurückging. Dominierende Instrumente waren hier der E-Bass, die Gitarre und die Orgel.
Parallel zum Rocksteady entstand die Subkultur der Rude Boys, deren Anhänger oftmals gewaltsam die einst friedlichen Dances stürmten und so, etwa zwischen 1965 und 1967, ihre, durch die sozialen Umstände hervorgerufenen Aggressionen zu entladen. Viele »Rude Boy-Songs« dominierten zu jener Zeit die jamaikanischen Charts.
Etwa gegen Ende der Sechziger entwickelte sich der eine weitere Stufe langsamere Reggae. Weiterhin charakterisierend ist der Wegfall der seit dem Ska benutzten Bläser. Hauptkennzeichen jedoch ist der komplexe Rhythmus mit seiner auffälligen 2-4-Betonung und den vielfältigen synkopischen Brechungen.
Durch den 1968 erschienenen Hit Do The Reggay von Toots and the Maytals bekam dieser, in Europa wohl bekannteste Stil jamakanischer Musik vermutlich seinen Namen. Im Laufe der Entwicklung des Musikmarktes hat sich der Begriff »Reggae«, nicht nur auf Jamaika, rasch als Allgemeinbegriff für die populäre Musik Jamaikas eingebürgert. Der Begriff umfaßt somit den klassischen Reggae und all seine Subgenres, wie den Dub oder den vor allem für die heutigen Soundsystems wichtigen, und heute wohl populärsten jamaikanischen Stil, den Dancehall-Reggae.
Man kann den Dancehall-Reggae, oder auch Dancehall-Raggamuffin, wobei dieser Begriff eher die vollständige Subkultur bezeichnet, als eine Art Mischung aus Reggae und Hip Hop betrachten. Hier wird wieder einmal der ständige, gegenseitige Einfluss Nordamerikas und Jamaikas deutlich.
Der Dancehall-Reggae, kurz Dancehall hat sich bis heute zu einer eigenen, weltweiten Subkultur weiterentwickelt, und ist heutzutage in den meisten Fällen Basis aller Sound Systems. Stasa Bader weist in seinem Buch »Worte wie Feuer« darauf hin, dass »die Dance Hall-Dichtung als die Summe vieler Traditionen Jamaikas verstanden werden sollte.« Es wird somit auf den engen Zusammenhang aller Subgenres und die Relevanz verschiedener historischer Entwicklungen hingewiesen. Bei dieser Aussage Baders ist jedoch zu beachten, dass man den Dancehall Reggae nicht als Endprodukt aller jamaikanischer Musikkulturen betrachten darf, sondern »nur« als das momentane Ergebnis aller bisherigen Entwicklungen. Sowie sich die Geschichte des Landes Jamaika weiterentwickeln wird, wird sich auch die Musik weiterentwickeln.
Teil 3 folgt…















