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Die Karen – Völkermord in Burma


Karen Kinder - reggae magazin revolutionKaren? Tja, bis vor kurzem wusste ich gar nicht, dass dieses Volk existiert. Die Karen sind eine ethnische Gruppe in Myanmar/Burma, Nachbarstaat von Thailand. Ja, Thailand, dem beliebten Urlaubsland. Doch was wir sehen ist nicht das, was die Menschen dort vor Ort sehen. Das musste ich am Freitag erfahren. Da hörte ich mir einen Vortrag über die Karen und Burma an.

Kurz zum Hintergrund: 1962 hatte General Ne Win den damaligen Premierminister gestürzt und eine Militärdiktatur eingeführt. Was folgte war der »birmanische Weg zum Solzialismus«. Alle Unternehmen wurden erstmal unter staatliche Kontrolle gebracht. Die Isolierung von der Außenwelt begann. Der birmanische Sozialismus hatte jedoch negative Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes. I Jahre 1988 betrug die inflationsrate zeitweise bis zu 80 Prozent. Zusätzlich sorgte die Reisknappheit für Unruhe.

Im September 1987 fanden Massendemonstrationen gegen das Militärregime statt. Diese wurden jedoch gewaltsam niedergeschlagen. Mit dem Putsch vom September 1988 übernahmen die Streitkräfte also erneut die Regierungsgewalt und versprachen die Einführung des Mehrparteiensystems und freie Wahlen. Alles nur ein einziger Fake, denn als 1990 die Nationale Liga für Demokratie (NLD) mit einem überwältigenden Sieg die Wahlen gewann, wurde diese einfach nicht anerkannt. Das erkannte auch die EU und fand die Lage besorgend . Soweit eine kurze Zusammenfassung zur Geschichte Burmas der letzten Jahrzehnte. Letztendlich herrscht dort seit zig Jahren eine brutale Militärdiktatur.

Nun zu den Karen. Laut Wikipedia sind die Karen so zu definieren:

Die Karen (veraltet Karenen, Karean, Karin; birmanisch Kareng, thailändisch Kariang) sind ein indigenes Volk Südostasiens. Die Mehrheit lebt in den Bergregionen von Myanmar, wo Separatisten für einen unabhängigen Karenstaat kämpfen. Dort sind sie mit 6,2% die zweitgrößte ethnische Minderheit. Aber auch in Thailand zählen die Karen zu einer der größten ethnischen Minderheiten, die schon seit Generationen nicht nur in den Bergen, sondern auch im Flachland lebt.

Karte Burma - reggae magazin revolutionInteressant daran finde ich, dass auf wikipedia erwähnt wird, dass die Karen für einen unabhängigen Staat kämpfen, dies aber definitiv nicht so ist. Mal angenommen dich würde ständig jemand versuchen aus deiner Heimat zu vertreiben, was würdest du machen? Oder du müsstest deinen Namen ändern, um bleiben zu dürfen? Doch von Anfang an. Die Karen sind Überlieferungen zufolge aus dem südchinesischen Yunnan im 4. oder 5. Jahrhundert nach Burma eingewandert. In Burma besiedeln die Karen hauptsächlich den Osten. Aber auch im westlichen Thailand sind die Karen anzutreffen. Die Sgaw Karen sind mehrheitlich christlich, die Pwo Karen buddhistisch mit animistischem Einschlag. Sie sind Bauern und betreiben Landwirtschaft, sprechen ihre eigene Sprache, haben eine lange Tradition. Das alles ist aber unter der momentanen Militärdiktatur in Burma nicht möglich.

Das burmesische Regime unterhält eine der größten Armeen der Welt. Über 70.000 der Soldaten sind Kindersoldaten zwischen 12 und 18 Jahren. Und um auf Nummer sicher zu gehen erhalten diese Soldaten keinen Lohn. Nein, um die Gewaltbereitschaft zu steigern bestehen die »Erträge« der Soldaten aus Erpressungen, Plünderungen, usw. Jedes Volk innerhalb Burmas, das nach Autonomie strebt wird Zielscheibe dieser Militärdiktatur. Das sind neben den Karen auch die Mon, Shan, Karenni, Rhakine, Chin, um nur einige zu nennen. Diese Völker werden systematisch vertrieben, zwangsumgesiedelt, ihre Dörfer werden niedergebrannt.

Karen Dorf niedergebrannt - reggae magazin revolutionDoch damit nicht genug. Ganze Landstriche werden vermint. Dörfer werden geplündert, Frauen vergewaltigt, Menschen wahllos erschossen. Jetzt haben sich die Karen aufgrund der akuten Gefahr in die Dschungelgebiete zurückgezogen, um einen besseren Schutz vor dem Militär zu haben. Hierzu muss man wissen, dass die Karen ein sehr tapferes, kampferfahrenes Volk sind. Natürlich spricht das burmesische Regime hierbei von »Rebellen«. In den Döfern der Karen gibt es kaum medizinische Versorgung. Viele der Karen versuchen sich auch irgendwie nach Thailand in eines der vielen Flüchtlingslager durchzuschlagen. Dies ist allerdings sehr schwierig. In Burma selbst, dem heutigen Myanmar, sind momentan ca. 2 Millionen Menschen auf der Flucht. Wie sie heissen? Sie haben eine Abkürzung bekommen, IDP´s. Internally Displaced People.

Militaer Hinterhalt Burma - reggae magazin revolutionViele der Karen sterben an Mangelernährung, an einfach zu behandelenden Krankheiten oder an den Verletzungen der Gefechte. Gelingt es den Menschen nicht rechtzeitig zu fliehen, dann werden sie Opfer übelster Gewalt und viele sterben. Die Gegenden, wo diese Flüchtlinge leben nennt man in der Umgangssprache die »Free Fire Zones«, die Menschen sind also Freiwild und niemand wird für Grueltaten, Morde, etc. zur Verantwortung gezogen. In Burma selbst ist keine Hilfsorganisation tätig. Zumindest ist mir keine bekannt. In den thailändischen Flüchtlingslagern dagegen gibt es Hilfe, wenn auch viel zu knapp.

Warum ist niemand in Burma tätig?
Ganz einfach. Dies ist offiziell nicht erlaubt. Das Militärregime kümmert sich schon darum, dass keine grössere Hilfe ankommen wird. Was jedoch existiert sind viele einzelne kleine »Hilfstransporte« (Medikamente, etc.) Diese laufen jedoch höchst geheim ab. Da das Gebiet, in dem die Karen leben noch nicht erschlossen ist heisst es kämpfen. Tief durch den Dschungel schlagen sich auf Pfaden die Rucksackhelfer mit Ihren Medikamenten durch. Immer auf der Flucht vor den Militärs.

Warum hört man nie etwas in den Nachrichten?
Suche nach neuem Dorf in Burman - reggae magazin revolutionEbenso einfach zu beantworten. Nur sehr wenige haben bisher den Weg nach Burma mit kompletter Ausrüstung (Kamera, Video, etc.) gewagt und auch tatsächlich geschafft. Welcher Nachrichtensender liest einfach nur ein Problem vor, ohne dazu die erschreckenden und grausamen Bilder zu zeigen? Weiterhin, aber das sage ich mit aller Vorsicht, scheint es aus meiner Sicht eine Art »Schweigeplan« zu dieser Problematik zu geben. Hätten die USA z.B. nur einen Funken Interesse an Burma, dann wäre die Thematik schon längst in tausenden TV Sendungen rauf und runter gelaufen. Aber mit China möchte man sich ja auch nicht unbedingt anlegen.

Und zuguterletzt soll nun auch noch ein riesen Staudamm im östlichen Burma gebaut werden. Dies würde die bisherigen wenigen Hilfsaktionen (die wie oben gesagt zu Fuss stattfinden) weiter dramatisch behindern, wenn nicht sogar einstellen. Denn die Wege, falls dieser Staudamm tatsächlich gebaut werden sollte, wären für die Helfer kaum mehr machbar. Folge: noch weniger Hilfe für die Karen.

Was mich persönlich ärgert?
Am Freitag war ich wahnsinnig entsetzt, als ich mir den Vortrag über die Karen angehört habe. Es kann nicht angehen, dass irgendwo auf der Welt Menschen einfach abgeschlachtet werden und dies die Öffentlichkeit nur selten erfährt.

Weitere Links zum Thema Karen
Mit bewaffneter Eskorte durch den Dschungel
Karen Human Rights Group
Burmese Relief Center – USA
AAPPB
Bericht über schlimmste Flüchtlingssituation weltweit – PDF Dokument
Museum of Karen History and Culture

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6 Kommentare bisher ( Kommentar schreiben )

  1. 1

    Florian N. meint dazu am

    26.10.2006 um 13:38 h


    Weitere interessante Links zum Thema:
    http://www.burma-diaspora.info
    http://www.maxandbert.com/

  2. 2

    Bert meint dazu am

    26.10.2006 um 17:42 h


    …

    http://www.freeburmarangers.org

  3. 3

    beni meint dazu am

    27.03.2007 um 19:16 h


    hab auch gerade davon erfahren und wäre fast das heulen angefangen…

    Videostream bei arte ansehen

    gut dass du darüber schreibst!!!

  4. 4

    Sarah meint dazu am

    08.05.2008 um 10:03 h


    Nur der Vollständigkeit halber:

    Die Karen sind sicherlich die größte Minderheit in Burma, und auch sehr hart von dem Bürgerkrieg betroffen. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass es noch Dutzende andere Minderheiten in Burma gibt, die ähnliches erlebt haben und immer noch erleben.

  5. 5

    Leroy meint dazu am

    29.06.2008 um 3:27 h


    Im Film »John Rambo« wird dieses Thema für den Kommerz und Hollywood ausgeschlachtet.
    Findet ihr das richtig so?
    Sind die Szenen in »Rambo« authentisch?

    Was kann die Welt tun, damit das Morden aufhört?
    Sollte man eine Spezialeinheit dort hinschicken?
    Sollte Amerika die Karen nicht mit Waffen versorgen?

    Was kann Europa tun?
    Fragen über Fragen….

    Warum müssen Menschen sich sowas immer gegenseitig antun? =(

  6. 6

    Muty meint dazu am

    13.07.2008 um 15:58 h


    Ich finde es schon nahe zu peinlich dies zu schreiben, aber ich habe erst durch den Film Rambo IV bzw. »John Rambo« von diesem Konflikt erfahren. Das bestätigt deine Aussage, dass man im Prinzip nichts in den Nachrichten sieht, denn die sehe ich mir täglich an.

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