Reggae Fans und Artists sind friedliche, Jah verehrende Menschen. Jeder Einzelne von uns wurde mit einer gewissen Gabe geboren. Oder hat sich diese Gabe hart erarbeiten müssen. Ob die jeweilige Gabe zum Leben reicht oder nicht ist dabei zunächst einmal sekundär. Denn oftmals wird diese Gabe zunächst im persönlichen Umfeld ausgelebt. Menschen musizieren, fotografieren, liefern journalistische Beiträge, erfinden noch nie Dagewesenes, etc.
Anlass und Auslöser dieses Artikels ist bushman-music.com. Ich war gerade dabei einen Artikel über Bushman zu verfassen, als ich seine offizielle Seite besuchte.
Uhhh, was ist das denn?
Da prangert dick und fett eines meiner Bilder aus dem Bildband Innermann auf der Startseite. Komisch, hatte mich jemand gefragt und ich habe es vergessen? Das soll keine Klageschrift werden, auch kein überzogener Egotrip soll bereist werden, aber ich entschliesse mich eine Mail zu schreiben:
dear victor, dear selector boom,
my name is floyd. after visiting bushman-music.com i was really upset. i love the music of bushman for years now, but when i entered the homepage i saw one of my pictures…
the black and white portrait on www.bushman-music.com is the cover of the unreleased picture book called »innermann«...
Alles kein Problem. Inzwischen ist ein Link, Copyright unter dem Bild angebracht, der zum revolution Magazin führt. Selector Boom war wirklich freundlich und hat auch sofort einen Link eingebaut. Man freut sich ja auch irgendwie, wenn Bilder auf anderen Seiten verwendet werden. Nicht nur in der Reggae Szene fiel es mir auf. Diebstahl. Geistiger Diebstahl. Ganz dreist. Ich bin ehrlich. Jedes mal bin ich aufs Neue enttäuscht über so viel Dreistigkeit, die Menschen an den Tag legen können. Ein Beispiel aus meiner täglichen Arbeit, denn natürlich kann ich nicht für andere sprechen.
Der Bildband Innermann
Seit 9 Jahren ist der Bildband Innermann in der Entstehung. Dieser portraitiert inzwischen über 90 Artists, Soundsystems, etc. Alles rein schwarz weiss fotografiert. Mal angenommen das wäre meine ureigenste Gabe (Anm: ob das so ist können nur andere beurteilen, nicht ich), wie schön wäre es endlich diesen Bildband in Händen halten und mit anderen Menschen teilen zu können?
Das Problem
Natürlich dachte auch ich damals in meinem jugendlichen Eifer, dass es doch schlau wäre, eine eigene Internetseite innermann.de zu erstellen (Anm: die Seite existiert inzwischen bewusst nicht mehr). Dort konnte man sich ca. 100 Fotos aus dem Bildband online ansehen. Innermann wurde vorgestellt, potentielle Sponsoren wurden gesucht. Die Vorschaubilder kann man immer noch bei Google Bilder finden. Natürlich habe ich die Fotos auch schön brav mit Wasserzeichen und URL Angabe versehen. Aber das stört heutzutage niemanden mehr.
Das Ende vom Lied – sing noch mal von vorne
Die Fotos habe ich irgendwann so häufig auf anderen Seiten wiedergefunden, dass es mich genervt hat. Natürlich ohne Wasserzeichen im Bild wurden diese dann als eigenes Copyright ausgegeben. Hierfür muss der Dieb nicht unbedingt sein eigenes Copyright darunter schreiben. Ausreichend ist aus meiner Sicht das ursprüngliche digitale Wasserzeichen zu entfernen. Doch ich bin kein Jurist.
Man würde ja auch so gerne teilen, sich mit anderen vernetzen, wenn man gefragt werden würde. In Wahrheit geht es um den Raub »Geistigen Eigentums«. Reggae Artists, Reggae Anhänger, etc. verwenden sehr oft das Wort Respekt. Aber was wird denn respektiert. Zeige ich keinen Respekt, wenn ich eben diesen sehr wichtigen Punkt »Copyright« anpreche. Verpetze ich gar jemanden? Bushman-music.com ist nur ein Fall und dieser wurde ja letzendlich friedlich und im Sinne Jahs erledigt.
Mal abgesehen davon, wie viele der Bilder sich auf anderen Seiten inzwischen tummeln. Das Problem betrifft nicht nur mich, sondern viele Mitmenschen ebenso.
Julian Thomann, Fotograf aus Hamburg schreibt zum Beispiel auf seiner Seite unter dem Punkt Copyright gleich ganz entschieden:
The copyright of all photos on this website are owned by Julian Thomann. Don´t use them without permission or your ass will be kicked by the photographer himself.
Ein persönlicher Arschtritt droht. Der entscheidende Teil ist »Don´t use them without permission…« Jeder ist gerne bereit zu teilen und einer Verwendung steht in den häufigsten Fällen nichts im Wege, wenn vorher persönlich Kontakt aufgenommen wird und der Urheber die Verwendung kennt. Das ist essentiell und das verstehe ich als Teil des Respektes, von dem so häufig die Rede ist.
Gipfel der Dreistigkeit
Ihr denkt das war es schon? Nein, einen habe ich noch. Tatort: Summer Jam in Köln. Snagga Puss aka Mr. Balance geht auf der Bühne ab. Ich stehe mit meiner Ausrüstung im Fotograben vor der Bühne und lausche der Musik. Gegen Ende des Konzertes kommt er nach vorne zum Bühnenrand und verteilt seine »Fankarten« an die Fans, Journalisten, Fotografen. Man mag es kaum glauben, ich habe das »Glück« auch eine zu ergattern. Original unterschrieben. Ich traue meinen Augen nicht.
Auf der Snagga Puss »Fankarte« lächelt mir eines meiner Fotos entgegen. Fast so, als ob das Foto mir sagen würde: Konnte ich ahnen, dass du heute hier bist und dein eigenes Bild dich ansieht? Pech gehabt, oder? In der Ecke unten rechts prangert dick das Shocking Vibes Logo. Doch nirgends ist ein Bild-Credit vermerkt, rein gar nichts. Das Foto entstand ein Jahr vorher in Würzburg. Mein Gefühl hatte mir damals gesagt, dass der Vibe gestimmt hat. Schade.
Natürlich würde ich nie einem Menschen unterstellen, dass man »Geistiges Eigentum« (egal ob privat oder kommerziell genutzt) bewusst eingesetzt hat, ohne Nachfrage, ohne Kontaktaufnahme, ohne Genehmigung. Drehen wir die Medaille einmal um. Was würde passieren, wenn ich mir von einer gekauften Reggae CD *.mp3 Dateien erstelle und diese kostenlos unter www.r-mag.de als Download anbieten würde, ohne Nachfrage, ohne Kontaktaufnahme, ohne Genehmigung? Das würde mit Sicherheit eine Menge Ärger bedeuten. Höchstwahrscheinlich juristisch.
Das alles beruht auf persönlichen Erfahrungen, jedoch glaube ich mit diesem Artikel vielen Menschen aus der Seele gesprochen zu haben. »Dass ich damit nicht alleine dastehe, durfte ich schon damals auf spreeblick erfahren. Ganz klar ist auch, dass Copyright ein allumfassendes Problem im Internet darstellt. Egal in welchem Bereich. Jah guidance and protection! Auch beim Copyright.
Don´t steal, it will never be real!
















Henna meint dazu am
16.10.2006 um 11:31 h
Hey Floyd,
ein sehr schöner Bericht, der doch vielen aus der Seele spricht!
Es ist wirklich schade, dass es doch sooft vorkommt, das Leute einfach ohne Nachfrage »Werke« anderer klauen. Da ist es auch nur verständlich und nachvollziehbar, wenn du dies dann ansprichst…auch im Fall vom Snagga Puss hätte ich da mit den Verantwortlichen geredet.
Ich wünsch dir trotzdem viel Erfolg mit »Innermann«...auf ein gutes Gelingen :-)
blessings
henna