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Grow Your Natty Dreadlocks – Teil 1


Dreadlocks von Andrew Bees - Black Uhuru -  copyright reggae magazin revolution»Since I threw the comb away« ist nicht nur der Titel eines Reggae Songs von den Twinkle Brothers, sondern auch die Hymne für viele Dreadlock Träger, die sich mit den verschiedenen Reaktionen ihrer Umwelt bezüglich ihrer Haartracht auseinander setzen müssen. Aber wer die Dreads als einen Teil seiner eigenen Persönlichkeit und äußeren Manifestation seines inneren Menschen sieht, hat bald wenig Probleme seine »Pracht« zu zeigen, ohne Gedanken zu machen, wer was über ihn denkt.

Auch wenn sie dann vom einen auf den anderen Tag ab sind, weil die Zeichen der Zeit dies gebieten um den Zyklus von vorne zu beginnen, tut man es ohne noch viel darüber nachzudenken. Man kann alles intellektuell verwissenschaftlichen oder religiös untermauern, oder einfach tun was von Innen kommt. Denn was sagen Morgan Heritage in ihrer Hymne? »You don´t haffi dread to be Rasta!« Doch nach wie vor ist es bei vielen Lebensauffassungen ein Thema und daher soll auch gerade in unserem Magazin diesem »heiklen« Punkt genügend Aufmerksamkeit gewidmet werden. Denn der Einfluss der Rastafarians erst hat es geschafft, die Dreadlocks »gesellschaftsfähig« zu machen. Ob das gut ist oder schlecht, liegt in der individuellen Sichtweise des Einzelnen. Und man wird nicht müde dieses Thema immer wieder auf den Tisch zu bringen.

Es geht jedenfalls nicht an, und dies sei gleich vorweg bemerkt, dass irgendeine Gruppierung eine »natürliche« Haartracht als einzig gültig und sinngebend für ihre Gedankengebäude und Philosophien ansieht und meint Andersdenkende dürften keine Dreadlocks tragen. Daher auch gleich in den ersten Abschnitten so viele »Gänsefüßchen«, denn heikel wird das Thema dann, wenn die Dreadlocks in Verbindung mit Gebahren und Kleidung stehen, oder die Gesellschaft sich wieder auf gewisse Klischeebilder einlässt und diese auch unbewusst bei Dreads selbst in die eigene Welt brechen.

Da ja bekanntlich der »erste Eindruck«, den man von seinem Gegenüber hat, zur Meinungsfindung über den Charakter und das Wesen der Person viel beiträgt, schneiden also Fönfrisuren, Seiten- und Mittelscheitel, Vokuhilas, Dauerwellen und jegliche »modischen« Frisuren von vorneherein schlecht ab. Sind sie nicht Vortäuschung falscher Tatsachen? Zeigen sie nicht die Oberflächlichkeit, die sich aus dem Inneren heraus dann auf dem Kopf manifestiert? Also eine »Unterstreichung« des Typs? Welches Typs? Was ist der Typ? Ist damit das Wesen selbst gemeint? Das innerste Wesen mit all seinen Eigenschaften? Ist ein Mensch mit langen, knotigen Locken innerlich vielleicht auch jemand, der geistig keine Grenzen kennt und auch die Natur wirken lässt, ohne sich zu »beschneiden« durch Ansichten, Meinungen und Normen? Oder ist er ein verworrener Chaos-Typ, dessen innere Unordnung sich nach Außen manifestiert? Es gibt wohl keinen starren Zustand, in dem sich ein Mensch befindet und daher ist (wohl) alles genauso zutreffend wie nichts davon.

Aber um nicht direkt vorweg zu greifen sollte man sich erst mal einige Fakten über die Dreadlocks und deren Träger geben. Der Eine proklamiert aus religiösen Gründen, dass Dreadlocks zu tragen kein »Spaß« sei, den man heute mal macht und morgen wieder nicht, der Andere ist aber genau gegenteiliger Meinung, da er sie als momentanen Ausdruck seiner Erkenntnis, oder seiner »sozialkritischen« Einstellung betrachtet. Aber keiner will dem Anderen eingestehen, dass er einfach verbohrt und rechthaberisch auf einem individuellen Standpunkt steht und sich noch nicht weitergehend mit dem Thema beschäftigt hat.

Was könnte ein »keltischer Buddhist Rastafari«, der sich »Natty Sadhu Bamba der Nazoräer« nennt allen Übrigen voraus haben? Die Person und der Name sind zwar Fake, aber viele Philosophien sind diesem Namen vereinigt, die als einen weiteren Bestandteil ihrer Lehre oder Lebensanschauung die Dreadlocks haben und deren Hintergründe wir in diesem und den nächsten Teilen der R-evolution mal beleuchten wollen.

Die Kelten, die sich während und nach der Germanen Zeit durch halb Europa als ein geschlossenes Volk, ein Stamm, den Ruf als furchtlose Krieger, Handwerker und Künstler verdienten, trugen teilweise Dreadlocks. Es wird berichtet, dass überwiegend die keltischen Krieger diese Haartracht am Start hatten. Die Druiden, die Schamanen der Kelten und auch in abgewandelter Form in anderen Volksgruppierungen die in dieser Zeit und Gegend unterwegs waren, gaben den Kriegern bestimmte Tränke und Kräuter, dass diese in fast tranceartigem Zustand in Meditation gehen oder kämpften. Vielleicht auch ganz banal mal Met, heute unser Bier. Bei den Germanen waren die Trude, Drudas, Druidas die weiblichen Priesterinnen, die diese Rolle inne hatten.

Die Krieger hier und dort waren fähig, Schmerzen zu überwinden und furchtlos in den Tod zu gehen. Durch ihre Ekstase konnten sie die sogenannten Berserker Zustände erreichen und dann ungeheure Kräfte entwickeln. Körperlich und Geistig. In alten Überlieferungen konnten sich diese in Bären oder sonstige Raubtiere »verwandeln«, zumindest sich eingehüllt in Wolfs- oder Bärenfellen in deren Wesen versetzen und Eigenschaften annehmen. Leider fehlen mir noch einige Informationen, wie die Dreadlocks in diesem Zusammenhang gesehen werden können. Es wird jedenfalls erzählt, dass die keltischen Krieger, fast so wie in Afrika und anderen Teilen der Welt, ihre nackten Körper vor einer »Schlacht« mit bunten Farben furchterregend angemalt haben.

Dazu kam noch der dementsprechende »Schmuck«, die Felle und da kann man sich grelle, wirre Dreads vorstellen als i-Tüpfelchen, die den Gegner vor Kampfantritt schon so die Hosen voll haben lassen, dass, so blöd es vielleicht war, die wild metzelnden Horden leichteres Spiel hatten mit ihren Feinden. Genug germanisch-keltisches Mischhalbwissen beleuchtet, wo finden wir Paralellen?

Kikuyu Krieger - bild gefunden auf piercing.org - reggae magazin revolutionZum Beispiel in Kenya. Nach ähnlichem Prinzip scheinen auch in den Dreißiger Jahren letzten Jahrhunderts die Kikuyu Freiheitskämpfer während der Mau Mau Rebellion operiert zu haben. Jedenfalls was die Dreadlocks anbelangt. Denn fast zur Zeit, als Guerillia Krieger in Äthiopien unter dem Kommando von Abebe Aregai schworen, ihre Dreadlocks nicht zu schneiden bis Haile Selassie I, der »Löwe von Judah« aus dem Exil zurück sei und seinen Thron einnehmen würde, gingen Fotos der kenyanischen Kikuyu Kämpfer, die wohl für die »Durchschnittsfrisurenträger« ziemlich furchteinflössend aussahen, mit ihren Speeren und anderen Waffen, um die Welt. Die Mau Mau, so weit diese Information richtig ist, sind aus einem Mysterienbund, einer afrikanischen Bruderschaft, hervorgegangen.

Wie gesagt »Dread« ist die Patois-Form von »Threat«, zu deutsch Bedrohung, Gefahr. Auch die Rastas wurden zu Anfangs als Gefahr für das weiße Establishment, die kolonialen Feudalherren und »Christen«, gesehen. Sie benannten angeblich ihre Locken so, weil es sich besser anhörte als »Fearlocks«, also Furchtlocken, worüber man erst als Bezeichnung nachdachte. Ein paar Rastafarians benannten dann nach dieser Grundsatzdiskussion die Filzlocken »Dreadlocks«. Seitdem ist es in der Rastafari Doktrin verankert und etliche Auslegungen zu den Worten und deren geistige Bedeutung kann man bei verschiedenen Rastafarians finden.

Maori - bild gefunden auf poorbuthappy.com - reggae magazin revolutionIn Neuseeland gibt es entgegengesetzt zu kosmopolitischen Dreadlock Trägern, die ihre seilartigen Haare mehr aus modischen Gründen tragen, die Maori Bandenmitglieder, die sich den Kopf verfilzen lassen. Diese von indigenen Ureinwohnern abstammenden Neuseeländer, sehen laut Francesco Mastalia und Alfonse Pagano in ihrem Fotoband »Dreads«, ihre Locken als äußeren Ausdruck ihrer antisozialistischen und generell rebellischen Haltung. In den südlichen Landkreisen von Auckland trifft man auf Nachbarschaften, die fast ausschließlich von Gang Members bewohnt sind. Als Krieger im Denken und Handeln, begrüßen sich die Maori Männer typischerweise, indem sie ihre Arme gegenseitig packen, sich in die Augen starren, die Nasen gegeneinander pressen und die Duftessenz ihres Gegenüber einschnüffeln.

Der Aspekt, der wohl am meisten auffällt, ist das Gesichtstattoo der Maori. Traditionell gesehen zeigen die Tätowierungen wie weit oben man in der Rangfolge steht, wie wohlhabend man ist. Die Bandenmitglieder haben jedoch noch obszöne und/oder kritische Sprüche, die gegen die Regierung gehen, mit in ihre Tattoos integriert. Diese Kombination, Tätowierung und Dreadlocks, sind schon mal ein Garant für einen guten Schocker.

Ein »Maori Rasta«, wie ihn das Magazin Spotlight benennt, ist Abgeordneter im Bundestag für die neuseeländischen Grünen. Das ist doch schon mal ein Beweis, dass die Dreads dort nicht nur Ärger machen und die Leute in Terror versetzen. Die Maori sind als Ureinwohner schon immer stammesmäßig in ihrer Umwelt engagiert. Sie sind von ihrem Wesen her schon in der sie umgebenden Natur verankert. Die Maori scheinen sich damals, wie die weitergezogenen Hawaianer, von den Polynesiern in einer großen Völkerwanderung vor langer Zeit gesplittet zu haben.

Zu den östlichen Dreadlock Trägern, die die Rastafari Doktrin mit der buddhistischen Lehre kombinieren, zählen die sogenannten Rasta-Buddhists. Wie? Noch nie gehört von denen? Das scheint auch noch eine ziemlich junge Richtung zu sein, denn mir waren sie bis vor drei Jahren auch noch nicht bekannt. Sie lassen im Gegensatz zu den Zen Mönchen ihre Haare wachsen als Zeichen ihrer Verehrung für die Natur und deren Gesetze. Viel ist über sie nicht bekannt, aber es ist schon mal kein paradoxer Gegensatz, sondern die zwei Richtungen ergänzen und vertragen sich gut. Im Endeffekt ist es wieder nur eine Bezeichnung für Jemanden, der im Einklang mit dem göttlichen Willen lebt. Doch auch dort, in Japan und seinen Metropolen, sind »feine, ordentliche« Dreadlocks zu einem Trend bei der jungen Bevölkerung geworden. Sie sind gerade für japanische Haarverhältnisse schwer zu drehen und verfilzen nur mit allerhand chemischer Unterstützung. Es wurden spezielle Verfahren entwickelt und die kosten bis zu 500 Dollar für diesen mit rotierenden Apparaten herbeigeführten »Insta-Look«.

Rastafarians weltweit berufen sich auch auf gewisse, schon in hundert Publikationen dieser Art erwähnten Bibelsprüche, in denen die Nazarener, oder Nazoräer zitiert werden. Rastafari ist entsprechend zu der nazoräischen Kultur zu sehen, die sich als Abgrenzung herkömmlicher gesellschaftlicher Verhaltensformen auszeichnet. Bis der Tag gekommen ist, an dem die Weihe für den Herrn vollzogen ist, soll er heilig sein und sein Haar wachsen lassen. Die Nazarener sind zur Zeit der Sadduzäer, Pharisäer und Essener eine Gruppierung von Menschen gewesen, die sich dem reinen, heiligen Leben verschrieben haben.

Sekte ist immer so ein heikles Wort, das oft in verkehrtem Kontext gesehen wird. Ganz einfache Menschen, die ihr Leben Gott, dem Mitmenschen, den Mitgeschöpfen und der Natur gewidmet haben, innerhalb ihres jüdischen Glaubens. Solche Leute gab es schon immer. Ieshua soll einer gewesen sein. Also Rasta in Reinstform. Das mit den Qumranfunden und den Essenern ist jedoch immer noch nicht ganz nachvollzogen. Denn sie haben ebenso zeitgleich in der selben Umgebung gelebt und werden doch nicht ausschließlich mit den Nazarenern in Verbindung gebracht, obwohl sie scheinbar eine ähnliche Lebensweise hatten und sich vielleicht auch gegenseitig beeinflussten. So wie dieser erste Teil des Artikels Euch beeinflusst möglicherweise bekannte Thesen zu lesen und auch unbekannte Sichtweisen zum Thema »Dreadlocks« kennen zu lernen.

Dreadlock – Dein Kopf ist eine kleine Welt, Einheit und Zusammenhalt zählt; Ausdruck der Lebensweise, Dread für Dread!

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1 Kommentar bisher ( Kommentar schreiben )

  1. 1

    Jahpata meint dazu am

    24.09.2006 um 16:34 h


    wow echt informativer text! freu mich jedes mal, wenn ich so gute texte lesen kann. mach weiter so!
    big up!

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