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Haile Selassie nicht erkannt


Haile Selassie - Reggae Magazin Revolution - Roots Reggae CultureIn den letzten Tagen vor Weihnachten 1953 hatte ich mein Medizinisches Staatsexamen beendet und drei Tage später meine mündliche Doktorprüfung. Mein Doktorvater Herr Professor Dr. Karl Friedrich Bauer hatte mir schon im Herbst die amtlichen Schreiben vorgelesen, dass ich auf meine Doktorarbeit den Nobelpreis nicht bekommen würde, weil ich noch Studentin war, und es sei überhaupt das erste Mal, dass ein Student vorgeschlagen wurde, nämlich von der Universität Erlangen, der Universität München und der Universität Paris.

Ich hatte fünf Jahre über die Microgenetische Strahlung geforscht, der Strahlung lebender Zellen bei Pflanzen, Tieren und Menschen, auch an Operationspräparaten und Krebsen. Ich konnte feststellen wie lange abgeschlagene Glieder lebensfähig waren und also wieder an den Körper zurücktransplantiert werden konnten, oder Nieren, Herzen, Lebern oder Extremitäten von Toten auf Lebende übertragen werden konnten.

Dieser Bericht ging durch viele Zeitungen und wurde von den Universitäten der USA und Instituten wie dem von Professor Braun für Strahlenforschung und dem Rockefellerinstitut in New York begeistert aufgenommen, übersetzt und auf alle Erdteile verschickt. Man bot mir wunderbare Stellen an, ich bekam viele Post und Besuche aus vielen Ländern der Erde.

Ich wollte aber in Deutschland bleiben. Ab Januar 1954 bekam ich eine Stelle in der Strahlenabteilung der Universitäts-Frauenklinik Erlangen und hatte Krebskranke nach der Operation mit Radium- oder Röntgenstrahlen zu behandeln. Es war nach dem Krieg – da nicht durch Bomben geschädigt – die größte Strahlenabteilung in Westeuropa.

In den ersten Tagen erzählte nur eine meiner Schwestern, dass jedes Jahr die Privatstation von Professor Dr. Dyroff vor den Sommerferien geräumt werde, weil dann der Kaiser von Äthiopien Haile Selassie seine Frauen zur Untersuchung bringe weil dann bei denen Winter, bei uns aber Sommer sei.

Ich fühlte mich von diesem Geschehen nicht betroffen, weil ich im Nachtdienst die Privatstation nicht zu versorgen hatte. Natürlich kannte ich den berühmten Namen, aber es gab für uns damals kein Fernsehen, Zeitungen (ausser 10 Pfennig Bild Zeitung) waren für uns bayrische Ärzte zu teuer. So waren wir nicht so gut informiert was in unserer Umgebung vor sich ging!

Im Sommer 1955 war ich also mit Röntgenbestrahlung der Krebspatienten beschäftigt. Fast täglich kamen Ärzte oder Professoren um sich über unsere Bestrahlungsarten zu informieren. Wir mussten sie, falls sie nicht genug Deutsch konnten in Englisch, eventuell in Latein unterrichten! Vom großen Saal gingen sieben Räume mit verschiedenen Bestrahlungsapparaten nach zwei Seiten und eine breite Glas-Flügeltüre schloss die Abteilung ab. Davor war ein großer Rau mit bequemen grünen Kunstlederbänken, auf denen die Patienten die laufen konnten, mit ihrem Kopfkissen im Arm warteten bis ihr Apparat frei war. Ich eilte von Apparat zu Apparat, wo die Assistentinnen die Patientinnen jeweils gelagert hatten, überprüfte, sprach mit ihnen stellte eine wie und wie lange die Bestrahlung gehen sollte. Eine Assistentin passte an jedem Apparat auf.

Eines Tages kam meine Chefassistentin zu mir: »Frau Doktor, was haben Sie denn angestellt? Vor der Tür stehen schon eine viertel Stunde drei schwarz angezogene Männer!« Ich warf bei der Arbeit kurz einen Blick über die Schulter und sagte: »Ich habe gar nichts angestellt, auf meiner Station ist niemand gestorben!«

Nach etwa einer viertel Stunde wurde mir der stumme Besuch vor der Türe doch zu aufregend! Ich hielt die drei Männer für Angehörige von einer Patientin oder für Angehörige, die sich überlegen, ob sie ihre Patientin hierher bringen sollen! Ich ging also auf sie zu. In der Mitte stand ein älterer sympathischer Herr mit leicht bräunlicher Hautfarbe, wie sie Menschen haben, die im Freien arbeiten, etwa 1,65 m groß mit auffallend lockigem Haar über der hohen Stirne; daneben rechts und links zwei junge sportliche Männer, die wesentlich größer waren! Alle drei hatten vorzügliche schwarze Anzüge aus sehr gutem Tuch, weiße Hemden und silberne Krawatten. Sah aus wie Ehemann einer Patientin und Schwiegersöhne?

Haile Selassie - Reggae Magazin Revolution - Roots Reggae CultureIch gab also erst dem älteren Herrn die Hand, dann den Jüngeren, die um Schuhlänge vor dem älteren standen und stellte mich vor, wobei ein Lächeln über die drei Gesichter huschte. Ich fragte, ob ich ihnen helfen könne, ob sie eine Patientin hier hätten. Der Ältere flüsterte was, der Junge rechts sagte, dass sie nur die Klinik besichtigen möchten und sehen wie es da zugehe. Nein, Ärzte seien sie nicht! Sie hätten oben im Privatwartezimmer gewartet, aber Professor Dyroff sei noch nicht da. Ich meinte, dass dort das Warten viel bequemer sei als das Stehen vor der Tür. Dabei gingen immer wieder Frauen hinein und heraus. Jede rief mir kurz etwas zu…wir redeten noch kurz. Dann bot ich mich an die drei Herren in die Privatabteilung mit dem Aufzug hochzufahren. Wie ich mit der rechten Hand in die Tasche meines weißen Mantels greife, schnellen die Jungen etwas vor und wie sie meinen Aufzugschlüssel sehen, fangen sie alle drei zu lachen an! Dann sagen sie, sie würden lieber laufen! Nach einigen freundlichen Worten zum Abschied marschiert der Ältere zackig voraus, die Jüngeren im zweiten Glied hinterher. Da dachte ich noch: »Ach Barresböck« (Wehrmachtsmenschen). Einer sprang vor ans Ende des Ganges die Tür zu öffnen, der andere macht sie wieder zu.

Etwas muß ich noch betonen! Die großen, strahlenden, dunkelbraunen Augen des Älteren waren ohne Unterbrechung so auf meine Augen gerichtet, dass ich glaubte, er gehöre zu denen die durch die Augen in der Seele lesen können. Ich blickte ihm deshalb auch fast ununterbrochen fest in die Augen…

Etwa fünf Minuten dach dem rätselhaften Besuch rief mich Herr Professor Dyroff an und sagte: »Eben war bei ihnen Seine Kaiserliche Hoheit Kaiser Haile Selassie aus Äthiopien!« Ein Stöhnen von mir: »Wer war das?« Der Professor wieder: »Er möchte sie als Ärztin für seine neue Klinik in Addis Abeba! Fahren Sie heim, holen Sie Ihre Kleider und Bücher! Für alles weitere sorgt der Kaiser! Sie machen drei Jahre Dienst, dann haben sie ein Jahr Urlaub. Am Samstag fliegt der Kaiser mit seinen Frauen und Ihnen zurück!« Es war Mittwoch! Er erzählte noch, dass sich die drei Männer bei ihm oben kugelig lachten, weil ich den Kaiser nicht erkannt hätte!

Ich bin abends heimgefahren, habe alles meinen Eltern erzählt! Die Mutter war sprachlos vor Schreck; der Vater ging einige Male ins Zimmer hin und her und sagte dann: »Wie du klein oder krank warst, haben wie für dich gesorgt, – jetzt wo wir alt sind, willst du uns verlassen!« Er ließ sich in den Sessel fallen! Da sagte ich: »Das sollt ihr nie von mir sagen. Ich bleibe und versorge Euch!« Das habe ich auch getan. Dem Kaiser musste ich leider absagen, es tat mir immer wieder weh, wenn ich daran dachte.

Kaiser Haile Selassie stammte aus dem Geschlecht Davids, wie einst Jesus! Er geht auf die kurze Verbindung von Salomo, – dem damals klügsten Mann-, und der Königin von Saba zurück, von der die Bibel berichtet. Er war am 23.07.1892 geboren, war Koptischer Christ, einem Zweig aus dem Urchristentum. wie in diesem Lande üblich, hatte er viele Frauen und Kinder und sorgte wie ein guter Vater für sie und für Palast und Land. Zum Nachdenken ging er mit zwei jungen Löwen in seinem Park spazieren. Er wurde 1980 ermordet, wahrscheinlich am 27.08.1980. Lange suchte man ihn, bis man seine sterblichen Reste unter den Bodenbrettern seines Dienstzimmers fand.

Er war ein Mann des Friedens. Solange er lebte gelang es ihm meist alle Streitigkeiten, die zu Kriegen hätten führen können zu schlichten. Deshalb war er bei Afrikanern hoch geachtet, wie mir immer wieder meine afrikanischen Studenten erzählten, die ich auf Anordnung meines Doktorvaters beobachten oder ihnen helfen sollte, damit sie ihr Studium schafften! Aber in seinen letzten Lebensjahren versuchte die USA in seinem Land einen Stützpunkt zu errichten, das gleiche wollten damals die Russen. Es gab viel Zwist im Volk und man sagte mir, sogar von seinen Söhnen seien welche zu den Ausländern übergegangen. Seit seinem Niedergang und Tod breiteten sich viele Kriege in Afrika aus und brachten Not und Tod über die Völker, einfache Menschen! Noch heute verbluten Tausende in sinnlosen Kriegen!

Kaiser Haile Selassie erzählte meinem Chef an der Frauenklinik damals wiederholt, dass er die zwei Steintafeln, auf denen Gott dem Mose die zehn Gebote übergab, aus Jerusalem sichergestellt hätte, wo bei dauernden Kriegen und den modernen Waffen sie in Gefahr seien vernichtet zu werden! Soviel ich erfahren habe, wurden diese Gebotstafeln von weißen englisch sprechenden Männern voriges Jahr (2002) im Gebirge gesucht und hinter einer Felsenkirche gefunden! Wo sie jetzt sind weiß ich nicht! Ich halte aber die Tatsache, dass die göttlichen Gebotstafeln in unseren Tagen ans Tageslicht kommen für einen für einen Fingerzeig von Oben den alle Regierungen und Menschen streng beherzigen sollten! Haile Selassie arbeitete viele Jahre auf dem ganzen Afrikanischen Kontinent für Frieden. Männer wie er fehlen uns heute sehr! Ich sprach nur einmal mit ihm, reichte ihm zweimal die Hand, aber diesen Blick werde ich nicht vergessen!

Dr. med. Lydia Tränkenschuh

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1 Kommentar bisher ( Kommentar schreiben )

  1. 1

    D-Bone meint dazu am

    18.09.2006 um 8:16 h


    wenn das mal kein interessantes treffen war.

    aber man sollte erwähnen das die Herrschaftszeit von H.I.M. leider nicht nur von frieden gezeichnet war.

    er führte gegen die eine nördliche provinz äthiopiens krieg und im Zuge eines ernteausfalls wurde das Kriegsgebiet nicht mit Hilfsgütern versorgt. Mehrer Millionen Meschen sind hier verhungert.

    das ist eines der traurigen kapitel der geschichte die er zu einem teil zu verantworten hatte.

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