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Merengue – Dominikanische Republik


Dominikanische Republik - reggae magazin revolution - roots, reggae, culture and mindPuerto Plata. 12 Uhr mittags. Die Sonne brennt. Perfekter Halt – Merengue! Zum ersten Mal besuchen wir die Dominikanische Republik. 12 Stunden Flug liegen hinter uns und ich bin etwas angespannt. Alleine der Landeanflug hat mir meinen letzten Nerv geraubt. Dann geht´s ab. Den Flughafen verlassend steigen wir in einen bereits wartenden Bus. Dieser gehört Axel, dem Besitzer unserer ersten Unterkunft. Wir fahren los Richtung Sosua. Nach ca. 20 Minuten Fahrt sind wir schon da. Uns wird gleich ein Willkommensdrink gereicht. Dazu folgender gut gemeinter Rat:

Die Einheimischen wollen nur euer Geld. Alles ist teuer. Am Besten wäre es, wir würden direkt bei ihm frühstücken, erklärt uns Axel. Da können wir sicher sein, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Wir lehnen dankend ab und machen uns auf den Weg nach Cabarete, dem nächsten kleineren Ort. Axel weiss nicht, dass meine Schwägerin Dominikanerin ist und mich sehr wohl aufgeklärt hat auf was wir achten sollten. Wir stehen an der Strasse und schon kommt das Sammeltaxi. Zak, Hand raus und der Fahrer hält. Zwei gehen noch rein und los geht´s.

Musik! Boom! Musik! Lauter! Unglaublich, zu zwanzigst oder so sitzen wir aufeinander und fahren mit einem dicken Bass umher. Merengue natürlich. Man erfährt, wie es ist eine andere Hautfarbe zu haben. Nämlich weiss. Ein paar Einheimische schauen uns misstrauisch an, andere wiederum lachen freundlich. Doch zum ersten Mal wird einem so richtig bewusst, wie man sich in einer Minderheit fühlt. Beim Aussteigen wird gezahlt. »100 Peso«, meint der Geldverwalter, der immer auf dem Beifahrersitz abkassiert. »Cien peso?«, frage ich nach. »Si«. Nix da, übers Ohr hauen kannst du jemand anderen. »Jo soy blanco« (ich bin weiss), also kostet´s von Haus aus mehr? 2 oder 3 Blicke später fahren sie mit 20 Peso weiter. Dem regulären Preis, den auch alle Einheimischen zahlen. Fertig.

Mitten im Trubel sehen wir den »Haxen-Bauer«, ein deutsches Restaurant? Die Speisekarte lässt diese Vermutung zu. Pommes Frites, Bratwurst, Schnitzel… Was denn das jetzt? Da fliegen wir auf eine Insel zum Bratwurst essen? Ne, ne, lass mal gut sein. Mit einem guten Brot, ein paar Spezialitäten und Brugal im Rucksack laufen wir am Strand zurück zu unserer Unterkunft. Was wir nicht ahnen ist, dass ca. 1 Stunde Fussmarsch vor uns liegt. Ziemlich windig hier. Dann passiert es. Nach 45 Minuten fängt es dermassen an zu regnen, dass wir klitschnass werden. Aber ganz erhlich, das macht alles nur angenehmer. Wir sitzen in irgendeinem Rohbau am Strand, keine Ahnung wo wir gelandet sind. Wir packen Brot und Brugal (Rum der Insel) aus und schauen aufs Meer. Wenn Brugal trinken, dann »Extra Viejo«, der lagert am Längsten. Natürlich ist der hier auf der Insel sehr günstig. In Deutschland kostet 1 Liter satte 21,95 €, hier im Supermarkt 1,5 Liter für 9 €.

Eine halbe Stunde später legen wir die letzten Meter zur Hütte zurück. Irgendwie ist beim Axel ein schlechter Vibe. Nach drei Tagen packen wir unsere Koffer und wohnen ab dann im Caribe Surf Hotel direkt in Cabarete. Axel scheint nicht sehr erfreut darüber zu sein. Was macht man den ganzen Tag in Cabarete? Wellenreiten, Windsurfen, gut Essen und natürlich: Brugal trinken. Wir haben in einer kleinen Gasse eine richtig schöne Familienkneipe entdeckt. Dort werden wir Stammgäste:-) Mutter, Kinder, alle arbeiten in der Bar. Die Musik hier ist einfach der Hit. Natürlich wird auch Reggaeton gespielt, vornehmlich jedoch Bachata und Merengue. Das ist gut so. Fast bei jedem zweiten Lied würde ich am Liebsten nachfragen wie es heisst. Die Tochter, die in der Bar arbeitet legt regelmässig neue Scheiben auf und informiert uns was gerade läuft.

Merengue wird im 2/4 Takt gespielt. Und nicht zu überhören, die Trommeln, die jeden Taktschlag betonen. Die Gechwindigkeit variiert. Bachata dürfte selbst hierzulande jedem ein Begriff sein, nach dem 2004 »Obsesion« von Aventura fast auf allen Radiosendern rauf und runter lief. Doch was wir hier hören ist nicht unbedingt Mainstream würde ich mal behaupten. Da singen Gruppen wie Monchy y Alexandra, »Raulin Rodriguez«, Antony Santos oder »El Chaval« aus der Box. Die sind in Bachata Kreisen sehr wohl bekannt, jedoch hören sie sich hier auf der Insel noch besser an.

Monchy y Alexandra – »Te Quiero Igual O Mas Que Ayer«:

Im »Zeitalter Internet« sind natürlich auch diverse dominikanische Radiostreams am Start. Radio Sosua zum Beispiel. Auch wenn ich Sosua als Urlaubsort keinem empfehlen kann, so ist die Musik zumindest dominikanisch geblieben. Sosua selbst ist aus meiner Sicht zu amerikanisch und deutsch infiziert.

Dominikanische Republik Motoconjo - reggae magazin revolution - roots, reggae, culture and mindNach ein paar Tagen sind wir bereits richtig entspannt. So langsam ist das deutsche Tüchtigsein dahin und wir leben den Tag wie er ist. Entspannt. Mit der Zeit versteht auch der Letzte, warum hier absolut keine Hektik ist. Keine? Fast keine, denn der Verkehr ist abartig. Motoconjos belagern die Strasse und wollen jeden Touristen fahren. Wer das dickste Moped fährt ist der King. Am Strand und in den Gassen ist Ruhe. Nachmittags, 16 Uhr, wir kehren in unsere Stammbar ein und beginnen unseren Abend. Einige Brugal später wird die Musik immer lauter. Am Strand scheint was los zu sein. Wir erfahre, dass heute abend »Tanzabend« ist. Direkt am Strand versammeln sich Einheimische, Mann umgarnt Frau.

Das hört sich gut an. Wir machen uns etwas später auf den Weg dorthin. Die Anlage braucht sich vor denen jamaikanischer Soundsystems nicht zu verstecken. Die Stimmung ist ausgelassen. Da stehen wir nun, deutscher Mann, deutsche Frau. Wie bewegen? Bei den Dominikanern schaut das alles so gelassen aus. Unser erster Tanz ist eine annähernde Katastrophe. Egal, durchhalten! Siehe da, auch wir können locker sein. Jetzt klappt alles wunderbar. Der Vibe springt auf uns über. Der Rhythmus, die Wärme, die Menschen. Wir sind fasziniert und wünschten, dass wir hier bleiben könnten.

Auf einmal spielt auch Hautfarbe keine Rolle mehr. Meiner Meinung nach waren wir am Anfang noch zu unentspannt. Dafür haben Dominikaner besondere Antennen. Am Strand lernen wir ein paar Strandverkäufer kennen. Wir unterhalten uns. Manchmal dauert das eine halbe Stunde. Hände und Füsse sind ein grosser Teil unserer Kommunikation. Zeit ist relativ. Der Tag ist der Tag. Und was ist da eine Stunde?

Irgendwann geht dieser Urlaub zu Ende und wir haben so viele Eindrücke gewonnen. Vor allem das Tanzen eine Lebenseinstellung ist und die Lebensfreude zum Ausdruck bringt. Zu Hause angekommen erfahren wir dann die beste Geschichte. Oben genannter Axel, Besitzer des Kleinen Paradieses, unserer ersten Unterkunft, hat mit einem Freund unserer Familie telefoniert, der ebenfalls mit einer Dominikanerin verheiratet ist. Natürlich wusste er nicht, dass wir uns kennen. Tja, schade, dass man hinter dem Rücken Menschen so schlecht machen muss. Dazu sei gesagt: es ist nicht immer üblich, vom Flughafen abgeholt zu werden. Dafür danken wir dir, Axel. Dass du aber nach 5 Minuten gleich an der ersten Wechselstube anhältst, damit wir sofort die Rechnung fürs Zimmer komplett bezahlen können, das fanden wir beide nicht so schön. Noch dazu wussten wir noch nicht, wie lange wir bei dir bleiben wollten. Axel, du hast eine Anzahlung von 2 Tagen bekommen. Da hättest du uns zumindest erstmal ankommen lassen können. Nach 12 Stunden Flug wollten wir nur noch entspannen. Dann bei unseren Bekannten anzurufen und falsch über uns zu berichten bestätigt uns darin, dass wir bei dir nicht mehr zu Gast sein werden. »Das kleine Paradies« ist schön, aber den Apfel hättest du nicht essen müssen.

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