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Beres Hammond – Ain´t it good to know


Beres Hammond - reggae magazin revolution - roots, reggae, culture and mindIn der Pressekonferenz mit Beres Hammond nach dessen Konzert saß uns Interviewern ein aufgeschlossener, freundlicher Mensch gegenüber, dem auch ein natürliches Quäntchen Aufregung anzumerken war. Das machte den Mann aber nur sympathischer und man konnte sich unkompliziert unterhalten, denn auch die eigene Anspannung wich nach wenigen Minuten.

Die Frage, ob er seinen Aufenthalt hier genießt, kann Beres bejahen und meint: »Beautiful!!« Hat er doch nur wenig von der Landschaft gesehen, da er die meiste Zeit im Tourbus schläft. Aber durch seine früheren Gigs in Deutschland konnte er sich noch an einiges erinnern. Er ist diesmal ziemlich eingebunden. »Dey been stingin`mi up like a soundsystem!«, meint er dazu lachend. »Wenn ich kann, dann ruhe ich mich aus. Aber eure Landschaft,....wunderschön! Ich hab hier schon zur Winterzeit getourt. Ich kam zweimal so um `93 hier durch, mit Dennis Brown. Keine Ahnung ob es nun diese Stadt war.«

Was hat sich nun verändert in dieser Zeit? »Me! Just Me! Ich bin erwachsener geworden. Musikalisch und auch auf anderer Ebene. Ich wurde mehr Ich! Daher liebe ich dieses mit anderen zu teilen in meiner Musik.« Bezogen auf eine Feststellung, dass er wohl jetzt nach so langer Zeit wieder nach Deutschland zurück kommt, sei wohl auch, um uns zu zeigen wie Reggae gemacht wird, um uns, sozusagen, im Sturm zu erobern, meint er lächelnd: »Ain´t that good to know?!« Ist das nicht gut, zu wissen?! »Yeah mon! Ich wünschte ich hätte noch etwas länger hier bleiben können.«

Beres Hammond ist bekanntlich nicht nur ein Sänger, sondern produziert auch einen Haufen anderer Künstler. Er weiß, dass es gute Talente sind. Seine Künstler sind so z.B. Ginja ( Media Player Schnipsel War inna di city anhören), dann Jah Cure, ein bisschen Ritchie Stevens, ein bisschen Taffari, eben so einige, wie er uns bescheiden zu verstehen gibt. Auch wenn die Nachfrage nach eigenem Studio in seinem Haus ihn verschmitzt sagen lässt: »Yes, I have a little thing…..and it works!«, merkt man ihm das nachgesagte »Understatement« an. Immer mit einem freundlichen Lachen verbunden.

Entgegen der Annahme, dass die Künstler bei ihm auch übernachten und ewig abhängen, meint er, dass sie wieder gehen müssten, wenn sie ihre Arbeit gemacht haben. Und lachend fügt er hinzu, dass es jedoch eine Menge Spaß macht und sie trotzdem so lange bleiben können, wie es ihnen beliebt.

Als jemand wissen möchte, ob er denn schon als Kind geglaubt hätte, dass er mal ein großer Sänger wird, der andere Künstler produziert, räumt Beres ein, er hat schon damals solche Gedanken gehabt. Man denkt anfangs, wenn man in´s Musikgeschäft kommt geht es ab wie mit Elvis Presley. Lange habe er diese Gedanken gehabt, bis die Realität ihn eingeholt hat. »Wenn du die Musikszene dann mitbekommst, realisierst du, dass es eine lange Straße ist. Aber wisst ihr, was ich jetzt erreicht habe, sehe ich als Segen! I count it as blessings! Weil ich in der Lage bin vielen anderen Talenten zu helfen. Push dem, push di music, ya know, `cause it´s my first love!«

Und wo Beres wohnt, kommt er nicht umhin sich auch vom Gezwitscher der Vögel inspirieren zu lassen. Denn alles was man Außenrum wahrnimmt sind Vögel und Grillen. »Ich hätte keinen feineren Vibe finden können.«

Da auch der Vibe auf dem Summerjam gestimmt hat, war eine Frage nach dem Unterschied zwischen Festivals hier und Festivals auf Jamaika nicht weit hergeholt. »Es ist einfach nur von zuhause weg! Auch bei jamaikanischen Festivals sind immer nette Leute im Publikum! Und wenn ich hier her komme, sehe ich genauso nette Leute. Für mich ist es nur ein anderes Land, aber der gleiche starke Vibe! Das weiß ich zu schätzen!«

Im letzten Jahr war er angesagt, aber er kam nicht. Was war der Grund dafür? Er bezieht sich auf das Tourbusiness, wenn er vom Mittelsmann spricht, der manchmal die Dinge durcheinander bringt. Da ist immer ein Mittelsmann, aber auch viele gute unter ihnen. So wie die geschäftliche Sache noch nicht ordentlich geregelt war, entschied er sich, nicht zu kommen.

Seine vielen Styles und seinen kreativen Output setzt er seine Roots als Mensch vom Lande voraus, als »Countrybwoy« ist er aufgewachsen. St. Ann, eine nette, grüne Umgebung, von der er inspirativ zehrt. »Für gewöhnlich beeinflusst Kingston einen Haufen Landleute, jeder denkt er wäre ein Kingstonian, hehehe, aber mich nahm es nicht ein. Ich war nur ich, die ganze Zeit! Ich war in meinen frühen Zeiten vom Rhythm & Blues beeinflusst. Wie z.B. Marvin Gaye und einige, die ich auch in meinem Song –Rock away- erwähne.« Beres fängt das Singen an und zählt einige Namen auf. »Aber da waren auch einige Brethrens aus Jamaika, die wie Engel singen konnten«, meinte er anschließend, »und einer davon war Alton Ellis.« Er war von dessen Sache tief beeindruckt, genauso wie von den Stimmen von Ken Boothe und John Holt. Was ihn heute froh macht, denn von solch guter Gesellschaft inspiriert worden zu sein, macht seinen Sound zu dem, was er nun ist. So fand er nicht seinen eigenen Style, sondern sein Style fand ihn, denn der war die ganze Zeit hier. »Du klaust hier ein bisschen, dort ein bisschen, bis du feststellst, dass du eigentlich nicht klauen musst, weil du was hast, das genauso gut ist.«

Auch seine Stimme zählt er zu den Gaben, die man erhält, wenn man aufsteht und einfach lebt. So zitiert er Bob Marley, der da sagt: »Get up and live!« Das ist was Beres tut und da hat er keine spezielle Formel dafür. »Es ist ein Segen und jemand musste eben tun, was ich tue! Und ich bin froh, dass ich es bin! Es funktioniert und es ist schön so!«

Angesprochen auf seinen religiösen Hintergrund meint Beres: »Ich erzähl euch was…..; als Kind, das in Jamaika aufwuchs und die Unterdrückung ebenso spürte, bezog ich mich schließlich auf eine Religion, die immer noch Hoffnung gibt,... und das ist Rasta! Ich wurde in einem christlichen Hause groß, aber wie man dann so aufwächst bekommt man noch mehr Dinge mit, die sich um´s Leben drehen. Manchmal erzählen sie einem eben etwas, von dem du nach eigener Prüfung meinst,....das kann es wohl nicht sein! Aber es gibt ein höheres Wesen, das fühle ich, wenn ich singe. Sie ist präsent, die Person, die viele Namen von den Menschen bekam. Ich nenne ihn Jah! Ich nenne ihn JAH!!! Alle Religionen sind Jah!« betont er überzeugt. »Das großartige Leben. Aber wenn ich diese Allmacht Jah nenne, dann heißt das nicht, dass du die selbe Sache tun musst. Trotzdem können wir miteinander auskommen. Weil ich bei mir denke, dass es doch der selbe Jah ist, von dem du redest. Aber ich bevorzuge die meiste Zeit nicht von Religion zu sprechen, denn Religion ist oft etwas, das Leute voneinander trennt. Wenn einer nicht mag was du glaubst und der andere wiederum das nicht und und…., wisst ihr! Ich halte das einigermaßen privat trotzdem erzähle ich es euch…jetzt.«, sagt er bestimmt und der Journalistenkreis bedankt sich bei ihm.

Was kann man denn nun von Ginja noch so erwarten in nächster Zeit? Sichtlich erfreut über diese Frage, hebt er den Arm und ruft: »Ginja tuff! Brrp, Brrrp! Ein starker Artist, der Junge hat´s drauf! Wer auf neue Tunes wartet, dem sei gesagt, dass sein Album gerade im Entstehen begriffen ist! Es ist hoffentlich auch wie meines ca. Ende August, Anfang September fertig.« Und freundlich gibt er dem Wunsch der Anwesenden nach einem kleinen Song in die Runde nach, wobei er »Ain´t it good to know« anstimmt und uns mit seiner smoothen Stimme erfreut. Der Applaus ist ihm auch in dieser Situation gewiß. So besteht nun die Sicherheit, dass es die beste Entscheidung war, nach einer Musikerkarriere innerhalb einer Gruppe, sich selbst als Solo Künstler zu verwirklichen.

Auch angesprochen auf die Zeit, in der angeblich Verbindungen der Stile untereinander nicht gerne gesehen bzw. gehört wurden, Singers und DJs, oder Dancehall und Lovers Rock, entgegnet Beres, dass er nicht wüsste, was jemand dagegen haben könnte, wenn die Botschaft stimmt. Es ist für ihn keine Modeerscheinung, sondern etwas, das so bestimmt ist. »It was meant to be that way! Jamaica is a nice melting pot of talents, yuh know! Ja, vielleicht kannst du das alles auch eine Fusion nennen. Von damals bis jetzt respektiere ich jeden Aspekt unserer Musik. Die heutige Musik ist gut. Eine andere Zeit, eine verschiedene Generation, doch was immer sie jetzt gerade tun, taten sie schon lange vorher nur eben etwas anders! Es gibt wohl bestimmte Musik, mit der ich nichts anfangen kann, aber deshalb sage ich nicht, dass sie nicht aufgenommen werden sollte. Denn du hast nun mal bestimmte Leute da draußen, die diese Dinge eben lieben. Und ich kann dich nicht davon abbringen das zu lieben! Wenn du deine Freude darin findest, das ist deine Sache, vielleicht aber nicht unbedingt meine.«

Mit dieser Stimme, wurde ihm ein Kompliment gemacht, könne er doch einen »Crossover« wagen, denn sie würde über alles passen, oder auch einen DJ Part einlegen. Doch genau das ist es, er will seine Stimme gar nicht über alles erklingen lassen. Beres plant seine Sache nicht. Kommt die Zeit, wenn er einmal dj-en müsste, dann wird er es eben tun. »I don´t plan music!« Selbst mit dem Tune, bei dem Wyclef Jean mitwirkt, war es so. Wyclef spielte Gitarre für den Song, machte ein paar Overdubs und es gefiel allen, bis es eben zur DJ Einlage kam. Dinge müssen eben einfach so passieren. Er fühlte sich gut und er fing an zu chatten und ich liebe und schätze jeden Moment davon. Life goes on!«

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