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Dubplates


Dubplates - reggae magazin revolution - roots, reggae, culture and mindWährend ich diese Zeilen schreibe, ritzt neben mir ein laut surrendes Schallplatten – Schneidegerät einen Roots-Dub in eine 10inch Dubplate. Aber erstmal der Reihe nach. Das erste Mal bin ich mit Schallplattenherstellung im Laufe meiner Radio + Fernsehtechniker Ausbildung in Berührung gekommen. Als mein damaliger Berufschullehrer das Wort Schallplatte erwähnte, erntete er allerdings nur Gelächter, die Compact Disc hatte bereits flächendeckend den Markt erobert.

Erst viele Jahre später, beim Eintauchen ins Reggae-Universum wurde ich auf diese sehr interessante Sache wieder aufmerksam. Als Dubplate bezeichnet man eine einzeln hergestellte Schallplatte, es gibt sie seit etwas Mitte der 60er Jahre, als auch die Single und später die Langspielplatte das Licht erblickte. Eine Dubplate besteht aus einer Aluminiumscheibe, die mit einem speziellen Lack beschichtet ist. Solche Lackscheiben werden auch zur Schallplattenpressung verwendet. In diesen Lack wird mittels eines Schneidetisches (sieht aus wie eine Kreuzung aus Plattenspieler und Nähmaschine) die Rille, mit der darin enthaltenen Toninformation in die Platte geritzt, der Fachmann spricht vom »Schneiden«.

Admiral Tibett Dubplate voicing

Eine Dubplate kostet ca. 40-50 Euro (10inch, beidseitig), 30cm Dubs (12inches) sind meist etwas teurer, Dubs in Singlegröße gibt’s zwar auch, die sind aber recht selten. Auf eine Seite passen ca.7 Minuten, bei der 12inch sinds 2-3min mehr. Die Dubplate lässt sich ca. 50-100 Mal abspielen, dann fängts vermehrt an zu knistern, das liegt daran, dass der Lack viel weicher ist als bei normalen Platten. Es wird grundsätzlich empfohlen die Dubplate mit 45 RPM schneiden zu lassen, der Sound ist wesentlich besser und die Haltbarkeit ist auch etwas höher. Seit kurzem sind auch Dubplates erhältlich, die fast so haltbar wie Vinyl sind, die kosten aber auch etwas mehr.

Soundsystems und DJ´s können Ihre Attraktivität mit Dubplates erheblich steigern. Eigene, extra von Künstlern eingesungene Versionen (in denen meist das Soundsystem hoch gelobt und gepriesen wird) , Unveröffentlichtes, oder selbst produzierte Remixe.

Da es im Reggae üblich ist, auf die Single neben dem eigentlichen Lied auch eine Instrumentalversion (meist »Version« genannt) zu veröffentlichen, hat man schon mal einen großen musikalischen Grundstock zum Einsingen zur Verfügung.

Der ambitionierte Plattenaufleger hält letztendlich ein Unikat in den Händen, das außer ihm keiner seiner Partycrowd präsentieren kann. Manchmal artet dieses Individualistentum gar in so genannten Soundclashes aus, bei dem mehrere Soundsystems versuchen, sich mit Dubplates zu toppen. Das Publikum entscheidet, wer am Besten ist. Wie auch schon das Juggling (Platten spielen+Mixen), wurde das »Dubplateauflegen« von einfallsreichen Jamaikanern erfunden, und ist dortzulande fast schon Volkssport. Dort lassen sich als Sänger mit dem Einsingen von Dubs schon ein paar Dollar dazuverdienen und oft ist das Dubplatebusines die einzige Möglichkeit sich finanziell über Wasser zu halten.

Inzwischen sind auch viele andere Musikrichtungen vom Dubplatevirus infiziert, vor allem die englische Drum & Bass-Gemeinde und auch Housefrauen und HipHoppler sind auf den Geschmack gekommen. Das Auflegen von Dubplates bereichert die Club+Musiklandschaft immens, und macht den ausgedehnten Tanzabend zum unvergesslichen Erlebnis.

Dubplates München - reggae magazin revolution - roots, reggae, culture and mindDoch zurück zu meiner kleinen Geschichte. Nach vielen Gerüchten von »Dubplatecutteraufsätzen für Zuhause« und der Idee, sich so ein Ding doch mal selber anzuschaffen, habe ich mich auf die Suche nach solch einem ominösen Schallplattenschneidegerät gemacht. Dabei wurde mir oft erzählt, dass die meisten Geräte kurz nach dem Siegeszug der CD verschrottet wurden, andere erzählten, dass in dunklen geheimen Kellern Maschinen lagern, die dubiose Sammler um kein Geld der Welt verkaufen.

Fakt ist, dass nur noch wenige Exemplare weltweit im Einsatz sind, neue Geräte werden praktisch nicht mehr hergestellt und gebrauchte sind äußerst schwer zu bekommen und dazu noch extrem teuer. Dank der kleinen schweizer Firma Vinylium konnte ich mir aber doch noch einen kleinen Traum verwirklichen.

Weiterführende Informationen gibt´s hier:
Andy Bee Music
Vinylium Schweiz
Arrows Recording

Weitere Fragen beantwortet gerne Andy Bee
E-Mail an: dubplate [att] gmx [punkt] de

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