Wir leben alle in einer Welt. Manche verdienen Geld, andere nicht. Wer kennt die Situation der Gehaltsverhandlung oder Vorstellung in Bewerbungsgesprächen nicht. Oft sitzt einem da ein sehr verbal ausgebildeter Mensch gegenüber, dessen höchstes Ziel es ist, dir dein Ziel zu vermiesen. Schon vorher ist klar, dass man seine Gehaltsvorstellung deutlich höher ansetzen muss als man selbst möchte. Das Spiel beginnt.
verbal bestückter Mensch: Herr …., wie stellen Sie sich in Ihrer momentanen Position, die wir zu besetzen suchen, Ihr Gehalt vor?
Bewerber: In welcher Form würden Sie denn die Zahl gerne hören? Brutto, netto, monatlich, jährlich?
verbal bestückter Mensch: Am liebsten wäre mir natürlich jährlich netto. Obwohl, es könnte auch netto monatlich sein, etc…
Bewerber: Setzen wir einmal ein netto Jahresgehalt voraus, so sehe ich mein Wissen und meine Qualifikation gerne mit xx.000 Euro jährlich entlohnt.
verbal bestückter Mensch: Hmmmm (Anm: beginnt seine Verunsicherungstaktik…), wenn ich mir Ihren Lebenslauf vor Augen halte und Ihre Qualifikation aus den letzten Jahren, so fällt es mir schwer dieser aus meiner Sicht sehr hohen Forderung nachzukommen. Sie dürfen unsere momentane Geschäftslage nicht aus den Augen verlieren…
Bewerber: Einmal aussen vor gelassen, dass ich meine Arbeit und Qualifikation durchaus so hoch einschätze: wie viel wäre aus Ihrer Sicht denn angemessen? In Anbetracht der Tatsache, dass sie in Ihrem letzten Geschäftsbericht Zahlen veröffentlichten, die einen enormen Gewinn Ihrer Firma durchaus ablesbar machten.
verbal bestückter Mensch: Aus meiner Sicht wären xx.000 Euro netto Jahresgehalt angemessen. (ca. 1/3 – 1/2 weniger als eigentlich angesetzt)
Und so geht das Spiel immer weiter… Dabei kommt mir eine gute Frage in den Sinn, der ich nicht ausweichen kann. Die Stimme der Bevölkerung. Denn die mehrheitliche Meinung zum Thema Geld könnte man wohl so darstellen:
Alles ist teurer geworden. Seitdem der Euro da ist kostet fast alles doppelt so viel. Nur mein Gehalt ist nicht doppelt so hoch, sondern wurde halbiert.
Verdammt, wer hat die anderen Hälften der Gehälter?
Und da fängt es an spannend zu werden. Ich glaube der verbal bestückte Herr mir gegenüber könnte bestimmt einen Teil davon auf seinem Konto verbucht haben. Kaum von der Gehaltsverhandlung nach Hause gekommen recherchiere ich etwas.
Die Gehälter eines durchschnittlich verdienenden Arbeiters stieg im vergangen Jahr um knapp über 1%. Na, das ist doch schon mal etwas. Zumindest nicht gefallen. Ich erinnere mich an ein Gesetz, dass die Offenlegung von Manager Gehältern forderte.
Das ist es. Vielleicht hat einer dieser Manager die Hälfte aller Gehälter auf seinem Konto? Eine Recherche unter den Top Managern dieses Landes ergibt folgendes Bild:
- Josef Ackermann (Deutsche Bank) – 11,9 Mio Euro (Steigerung um 11%)
- Jürgen Schrempp (ehemals Daimler Chrysler) – 7,6 Mio Euro
- Harry Roels (RWE Vorstand) – 6,8 Mio Euro
Nicht alle Manager müssen bisher ihr Gehalt offenlegen. Vermutlicher Spitzenreiter ist wohl Porsche Macher Wendelin Wiedeking, dessen Gehalt bei ca. 15 Mio Euro vermutet wird. Natürlich sind all diese Top Macher zurecht an den Spitzen der jeweiligen Unternehmen. Das soll auch keine Revolte werden.
Da entlässt eine Deutsche Bank Mitarbeiter, obwohl Gehälter auf Vorstandsebene derart steigen? BWL ist nicht meine Stärke, das gebe ich zu, aber mein Menschenverstand sagt mir: das kann nicht sein. Stellt sich da am Ende die Frage wie viele Mitarbeiter gehen müssen, um mehrere Gehälter auf Vorstandsebene bezahlbar zu machen? Ein durchschnittlicher Bankangestellter zwischen 25-29 Jahre verdient jährlich ca. 32.000 Euro. Der Gesamtanstieg der Gehälter auf Vorstandsebene bei der Deutschen Bank beträgt über 3 Mio Euro in 2005.
100×32.000 = 3,2 Mio Euro
Zugegeben, eine sehr einfache Rechnung ohne betriebswirtschaftlichen Hintergrund. War lediglich eine Rechnung. Ohne Hintergedanken. Die Frage ist wo wir damit landen werden und wie lange diesen Weg noch alle Menschen gemeinsam gehen werden.
Zuguterletzt besuche ich noch spasseshalber die Karriere Seiten der Deutschen Bank . Begrüßt werde ich mit folgendem Satz:
Ihre Vision: Aufgaben mit Zukunft. Unser Versprechen: Eine Welt voller Chancen.
Stellt sich nur noch die Frage, wo sich diese Welt voller Chancen befindet? Direkt vor Ort in der Bank oder vielleicht doch bei der Bundesagentur für Arbeit, wo ich anstatt ALG 2 bald ALG 7 beantragen kann? Um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Ich habe niemals bei einer Bank gearbeitet. Doch die kleinen Hintergedanken haben immer wieder in meinem Kopf angeklopft. Daher.
















nick meint dazu am
08.08.2006 um 15:06 h
Ganz schön pervers, wenn man sich überlegt, dass alles anscheinend nur ein Spiel ist. In gewissen Situationen finde ich es besser einfach »Nein« zu sagen, dann muss man sich anschliessend nicht so ärgern.
Viele Grüsse
Nick